Newsletter vom 01.10.2009

Bundestagswahl: Internet hatte nur geringe Auswirkungen auf das Wahlergebnis

Twitter und 'Yes we gähn': Alle Parteien waren so Internet-aktiv wie noch nie. Doch die Zahlen einer Auswertung des auf neue Medien spezialisierten HighText-Verlages zu SEM- und SEO-Strategien der Parteien zeigt, dass die Onlineaktivitäten der Parteien beim Sieg der Tigerenten-Koalition nur eine geringe Rolle gespielt haben. Obwohl die SPD viel in Suchwortanzeigen investiert hat und auch in Social Media stark aktiv war, blieb ihr der Wahlsieg verwehrt. Umgekehrt hatten Spam-Aktionen der FDP vor der Bundestagswahl keine negativen Auswirkungen. Interessant allerdings: Die im Internet und der Blogosphäre zum Teil zweistellig gehandelte Piratenpartei schaffte es immerhin bundesweit auf 1,9 Prozent – ein digitaler Achtungserfolg.

Bundestagswahl der Zukunft als Online-Wahl?


Gemeinsam mit T-Systems hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie das Ergebnis des Projekts „voteremote“ vorgestellt. Das vorgeschlagene Verfahren macht aus dem heimischen PC quasi ein Wahllokal. Ohne die Installation besonderer Programme wird die Wahl mit einem komplett verschlüsselten sicheren Datenaustausch nach vorheriger Authentifizierung vollzogen. Aus dem Projektbericht geht hervor, dass es technisch möglich sei, beim Online-Voting alle sechs Grundsätze zu erfüllen, nach denen Wahlen ablaufen sollen: allgemein, unmittelbar, frei, gleich, geheim und öffentlich. Das Projekt wurde wissenschaftlich von der Technischen Universität Darmstadt (Prof. Johannes Buchmann) sowie der Universität Kassel (Prof. Alexander Roßnagel) begleitet.

IT- und Internetbranche sendet positive Konjunktursignale

Die IT- und Internetbranche ist auf dem aufsteigenden Ast. Erstmals seit Beginn der Krise macht der BITKOM-Index wieder einen Sprung nach oben. Er stieg im dritten Quartal um 18 Punkte und liegt nun mit minus sieben Punkten leicht über dem Niveau des Ifo-Indexes für die Gesamtwirtschaft. Es ist sogar der stärkste Anstieg seit fünf Jahren. Die meisten ITK-Firmen haben mit einer Erhöhung ihrer Investitionen auf die Krise reagiert. Trotz der angespannten Wirtschaftslage investieren fast zwei Drittel der Unternehmen verstärkt in ihre Produkt- und Dienstleistungspalette. Trotz der positiven Aussichten ist die Finanzierungssituation angespannt. Gut ein Drittel (35 Prozent) der Firmen geben an, dass sich ihre Finanzierungssituation wegen der Krise verschlechtert hat.

Top 100 aus der Computerwoche

Die Computerwoche hat eine Liste der 100 größten Unternehmen der ITK-Unternehmen in Deutschland veröffentlicht. An der Spitze steht mit einem Umsatz von fast 29 Mrd. Euro und mehr als 130.000 Beschäftigten die Deutsche Telekom AG. Erstes reines IT-Unternehmen ist die Telekom-Tochter T-Systems, gefolgt von HP und IBM.
Mehr unter http://www.computerwoche.de/top100/2009/1906443/#

ICANN: Obama will Alleinherrschaft der USA beenden

In der internationalen Staatengemeinschaft wird schon lange ein Ende der US-Dominanz in der mächtigen Internet-Aufsicht ICANN gefordert. Nun kündigte US-Präsident Barack Obama seine Bereitschaft zu Zugeständnissen an. Laut einem Bericht des britischen Magazins Economist plant Obama, die Aufgaben der ICANN auf vier Gremien zu verteilen – sogenannte Oversight Panels. In allen Gruppen säßen Vertreter anderer Regierungen, schreibt das Magazin.
Die ICANN wacht über die Top Level Domains wie zum Beispiel .de oder .com. Mit neuen Adress-Endungen kann sie somit Platz und Bedeutung im Netz schaffen. Außerdem kontrollieren die USA durch ein Abkommen innerhalb der Organisation die Root Server, die den weltweiten Internet-Traffic leiten.

Die Gehälter in der IT- und Multimedia-Branche steigen trotz Wirtschaftskrise

Verschärft die Wirtschaftskrise in vielen Branchen den Druck auf Mitarbeiter und lässt Gehälter einfrieren, zeigt sich in der IT- und Internet-Industrie eine gegenläufige Entwicklung, so der 'Gehalts- und Karrierevergleichs Digitale Wirtschaft 2010'. Die Gehälter steigen - teilweise im zweistelligen Prozentbereich. Der Fachkräftemangel, dessen Höhepunkt in etwa vier Jahren erreicht sein wird, leistet dieser Entwicklung noch Vorschub: Experten sind rar und haben gute Chancen für Gehaltssteigerungen.

Innenministerium sinniert über Online-Durchsuchung durch den Verfassungsschutz

Das Innenministerium hat eine umfangreiche Liste erarbeitet, die nun als Wunschzettel für Koalitionsverhandlungen dienen könnte. Nach Medienberichten soll der Verfassungsschutz danach unter anderem künftig Computer online durchsuchen dürfen und Zugriff auf die Vorratsdatenspeicherung erhalten. Beides gehört bislang zum Aufgabengebiet der Polizeibehörden.

US-Regierung setzt auf Cloud-Computing

In den USA hat der frisch ernannte Chief Information Officer der Obama-Administration, Vivek Kundra, mit Apps.gov eine neue Website gestartet, auf der Regierungseinrichtungen zertifizierte Cloud-Computing-Dienste auffinden und erwerben können. Die US-Regierung will damit die Kosten für den Betrieb behördeneigener Systeme senken und gleichzeitig Innovationen vorantreiben.

CeBIT fokussiert sich verstärkt auf Internetwirtschaft

Während die vergangene weltgrößte Computermesse CeBIT ganz im Zeichen des Web 2.0 stand, will sie im kommenden Jahr ihren Fokus auf Internet TV, E-Commerce und Content Management richten. "Internetbasierte Lösungen und Geschäftsmodelle sind weltweit der Motor für Wirtschaftswachstum", argumentiert Ernst Raue, Vorstand der Deutschen Messe AG. Die CeBIT biete der Internetbranche "die ideale Plattform, sich einem internationalen Publikum zu präsentieren".

Dmexco als künftige "CeBIT der Onlinebranche"

Knapp 14.900 Besucher vermeldeten die Organisatoren der Kölner Digital Marketing Exposition and Conference (Dmexco) für die zwei Messetage. Das ist weniger als die letztjährige "Onlinemarketing Düsseldorf (OMD, 20.000 Besucher), aber genug, um für den Bereich Internet- und Onlinewerbung als deutsche Leitmesse zu gelten. Die Organisatoren wollen es künftig der CeBIT nachmachen. BVDW-Vizepräsident Matthias Ehrlich erklärte, man wolle ebenso wie die CeBIT erreichen, dass die dominanten US-Firmen sich an einer deutschen Messe ausrichten. Nur dadurch könne man sicherstellen, dem deutschen Internet-Mittelstand eine wichtige Rolle in der digitalen Weltwirtschaft zu erhalten: "Sonst überrollen uns die amerikanischen Unternehmen".

Österreichs größte IT-Messe ITnT gescheitert

Österreichs größte IT-Messe, die Wiener ITnT, ist gescheitert. Wie das Nachrichtenmagazin Format berichtet, fällt die Veranstaltung im kommenden Januar aus. Gründe sind das Fernbleiben wichtiger Branchengrößen und nachlassendes Besucherinteresse. Veranstalter Reed bietet als Ersatz Ende April eine konferenzartige Veranstaltung namens CROSS CON an

Netzneutralität - damit die Datenströme gleichbehandelt werden

Die Federal Communications Commission, die US-amerikanische Telekommunikationsaufsicht FCC, plant nach einem Bericht des „Wall Street Journal“, Internet- und Mobilfunkbetreibern vorzuschreiben, jeden Datenverkehr in ihren Netzen gleich zu behandeln. Damit soll das sogenannte Prinzip der Netzneutralität durchgesetzt werden.
Telekommunikationsanbieter hatten in der Vergangenheit argumentiert, auf hohen Übertragungskosten durch Streams auf Videoseiten sitzenzubleiben. Teilweise wurden sogar Nutzern mit besonders starkem Traffic die Leitungen gedrosselt.

EU-Petition engagiert sich für freies Internet

Nachdem sich die US-Regulierungsbehörde zur Netzneutralität bekannt hat, fordern Aktivisten und Bürgerrechtsorganisationen nun die Durchsetzung vergleichbarer Leitlinien zur Gewährleistung eines offenen Internets in Europa. Die Forderungen lehnen sich sehr eng an die inzwischen sechs Netzneutralitäts-Prinzipien der Federal Communications Commission (FCC) an. Diese plant ein Gesetz, das Internet-Provider zur Gleichbehandlung aller Daten verpflichten würde. Darunter würde auch das Verbot der Praxis fallen, bei Nutzern großer Download-Mengen die Bandbreite der Übertragung zu verringern.
http://www.euopeninternet.eu/

eGovernment-Angebote: Mehr Bedarf als Angebot

Lediglich 23 Prozent der deutschen Internetnutzer kommunizieren mit öffentlichen Einrichtungen online. Dabei könnten sich 48 Prozent vorstellen, künftig ganz auf Behördengänge zu verzichten. Voraussetzung wäre eine benutzerfreundlichere Gestaltung von Angeboten und Unterlagen im Internet. Das ist das zentrale Ergebnis der repräsentativen Bevölkerungsumfrage 'Das Online-Amt: Wunsch oder Wirklichkeit?' von TNS Emnid. So verlangen 75 Prozent der Befragten übersichtlichere Formulare und Anträge, 70 Prozent erwarten eine einfachere Bedienung. 63 Prozent hätten gerne eine persönliche Hilfe beim Ausfüllen, beispielsweise durch eine Online-Kontaktmöglichkeit mit dem zuständigen Sachbearbeiter. 53 Prozent wünschen sich bessere Erklärungen zu den vorhandenen Angeboten, etwa durch kurze Videos.

IT-Experten halten Web 2.0 für eine Luftblase

Sobald es sich um Web-Themen handelt, sind sich IT-Freiberufler und IT-Verantwortliche in Unternehmen einig: "Alles Luftblasen". Das ist Kern des Ergebnisses einer Studie der Projektbörse Gulp. Enterprise 2.0 und Social Software halten 72 Prozent der Projektanbieter und 66 Prozent der IT-Freelancer für nicht ernst zu nehmen. Auch WOA und Enterprise Mash-ups halten vor allem die IT-Gewaltigen der Unternehmen für nicht realisierbar.

Deutsche Telekom will Strato kaufen

Um den Webhoster Strato buhlen derzeit gleich mehrere Unternehmen, darunter die Deutsche Telekom. Noch-Besitzer Freenet will sich künftig auf den Mobilfunk konzentrieren. Auch United Internet und Finanzinvestoren gehören zum Interessentenkreis.

Adobe kauft Webanalyse-Anbieter Omniture

Der US-Softwarehersteller Adobe will Omniture, Dienstleister für Internetanalyse, für 1,8 Milliarden Dollar übernehmen. Der Kauf bedarf noch der Zustimmung der Wettbewerbshüter und soll Ende November abgeschlossen sein.

EDS – das war‘s

Vor fast fünfzig Jahren wurde das Unternehmen Electronic Data Systems gegründet und letztes Jahr von HP für fast 14 Milliarden Dollar aufgekauft. Mit dem Kauf einher gingen radikale Stellenstreichungspläne des neuen Eigners, gegen die sich die Beschäftigten in Deutschland mit wochenlangen Streiks zur Wehr setzten. Zahlreiche Jobs konnten so gesichert werden. Nun gibt es EDS nicht mehr. Das, was von EDS übrig ist, ist nun eine Unterabteilung des Bereiches „Enterprise Business“ bei HP. Der alte Name ist getilgt. Die bisherigen EDS-Dienstleistungen werden nun unter dem Namen „Enterprise Services“ angeboten.

Email-Studie: Für 'Info@'-Adressen fühlt sich niemand zuständig

Sammel-Email-Adressen von Unternehmen, die beispielsweise mit Info@ beginnen, stellen Kunden oft auf eine harte Geduldsprobe: Auf 60 Prozent der Anfragen folgt erst nach ungefähr einer Woche eine Antwort. Etwa ein Viertel der Kunden in Deutschland wartet noch länger oder bekommt teilweise sogar gar keine Rückmeldung. Das Problem: Viele Betriebe schaffen es nicht, in Info@-Postfächern auflaufende elektronische Post effizient zu verwalten und Zuständigkeiten zu regeln. Das ergab eine bevölkerungsrepräsentative Umfrage von Steria Mummert Consulting unter 1.000 Bundesbürgern.

Bund will eigenes Telekommunikationsnetz aufbauen

Die Bundesregierung will den Informationsverbund Berlin-Bonn (IVBB), ein Netz, über das streng vertrauliche Telefonate und E-Mails zwischen den einzelnen Regierungsstellen auf den abgeschirmten Leitungen ausgetauscht werden, künftig selbst betreiben. Bislang wird das Netz von T-Systems betrieben.

BSI: Finger weg von Google Wave

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik rät in seinem Lagebericht von der Nutzung von Googles neuer Kommunikationszentrale Wave ab. Der Nutzer verliere vollständig die Kontrolle über seine Daten. In einer Stellungnahme betont Google, man halte sich an Datenschutzrichtlinien.
https://www.bsi.bund.de/cae/servlet/contentblob/621516/publicationFile/38045/Quartalslagebericht_2_2009_pdf.pdf

Und da war da noch: Hasso Plattner verkauft im großen Stil SAP-Aktien

Durch eine Pflichtmeldung wurde bekannt, dass der SAP-Gründer plant, SAP-Aktien im Wert von bis zu 240 Millionen Euro zu verkaufen. Dahinter stecke aber nicht, so betonte Plattner umgehend, mangelndes Vertrauen in die SAP, sondern Steuerforderungen.
Sorgen um die Bonität des Milliardärs, der zwar gern für selbstausgesuchte wohltätige und gemeinnützige Vorhaben spendet und anscheinend genauso gern gegen Steuern stänkert, braucht man sich nicht zu machen. Es bleiben noch ein paar Euro übrig.



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Norbert S., Paderborn
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