Newsletter vom 17.06.2009

Streik in Deutschlands IT Branche: EDS-Arbeitskampf in der dritten Woche

Seit inzwischen drei Wochen streiken die Beschäftigten des IT-Dienstleisters EDS, um einen Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung durchzusetzen. Ebenfalls durchgesetzt werden sollen kollektive Regelungen zu den Arbeitsbedingungen bei EDS und ein Gehaltstarifvertrag. Die Arbeitgeberseite verweigert sich den Verhandlungen bisher.
Lothar Schröder, Leiter des ver.di Fachbereichs Telekommunikation/Informationstechnologie und Mitglied im ver.di Bundesvorstand stellte auf der zentralen Streikkundgebung am 16. Juni in Rüsselsheim klar, dass die Beschäftigten geschlossen hinter den Forderungen stehen: „Wir akzeptieren keine Ignoranz und schon gar nicht, dass ein Drittel des Personals von Bord geschmissen werden soll. Wir sind solidarisch und wir werden es bleiben!“

T-Systems: Protest gegen Stellenabbau

Seit Anfang Mai kursieren in der Presse Berichte über die Streichung von mehr als 3.000 Arbeitsplätzen bei der T-Systems. Betriebsbedingte Kündigungen scheinen dabei für den Arbeitgeber ein reales Instrument zur Umsetzung seiner Pläne zu werden. Um die weiteren Gespräche und Verhandlungen zum TV Ratio zu unterstützen, hat die Initiative ICH BIN MEHR WERT eine Online-Unterschriftensammlung gestartet, die zurzeit im Sekundentakt genutzt wird.
Weitere Informationen und Unterschriftenliste unter: t-systems.ich-bin-mehr-wert.de

IBM: Tarifrunde hat begonnen

Die Tarifrunde bei IBM hat am 16. Juni in Stuttgart mit der Präsentation der Vorstellungen der Arbeitnehmerseite begonnen. Rolf Schmidt, ver.di-Verhandlungsführer, erläuterte, unterstützt durch die Mitglieder der Verhandlungskommission, die Forderungen.
Die Arbeitgeberseite brachte kein Tarifangebot in die Verhandlungen ein, stellte allerdings klar, dass die Verhandlungen in diesem Jahr stark von der Aussage von Randy MacDonald, Senior Vice President und bei IBM weltweit zuständig für Human Resources geprägt ist: "Major Country Germany no salary increase!"
IBM wird die ver.di-Forderungen nun bewerten und sich im weiteren Verlauf der Verhandlungen positionieren.

IT in Europa: Nach Schrumpfjahr soll Europas IT 2010 wieder wachsen

Nach einer Prognose des European Information Technology Observatory (EITO) wird der Umsatz mit Produkten und Diensten der Informations- und Kommunikationstechnik in der EU im Jahr 2009 um 1,7 Prozent auf 716,6 Milliarden Euro sinken. Im kommenden Jahr soll der Markt wieder um 0,3 Prozent wachsen. Schrumpfen tut europaweit vor allem der Hardwaremarkt (minus 6,6 Prozent). In diesem Segment belasten fallende Preise und die Verschiebung von IT-Investitionen bei Firmenkunden die Umsatzentwicklung. Deutlich moderater ist der Rückgang bei Software und IT-Diensten mit minus 0,3 Prozent. Der europäische Markt für digitale Unterhaltungselektronik wird nach mehreren Jahren mit hohen Wachstumsraten 2009 voraussichtlich um 8,2 Prozent schrumpfen und ein Volumen von 58,5 Milliarden Euro erreichen. Das Minus des Gesamtmarktes ist dem EITO zufolge insbesondere auf den Umsatzrückgang bei Flachbildfernsehern zurückzuführen. Zwar werden in der EU mit rund 42 Millionen Geräten voraussichtlich mehr Flachbildfernseher verkauft als je zuvor. Dennoch gehen die Umsätze laut der EITO-Prognose 2009 um 10,3 Prozent auf 26,3 Milliarden Euro zurück. Grund sind die sinkenden Preise für LCD-Geräte. Rückläufig sind auch die Umsätze mit Digitalkameras, MP3-Playern und Navigationsgeräten. Ein Umsatzplus erzielen Blu-Ray-Player, digitale Set-top-Boxen für den Fernsehempfang und Spielkonsolen.

Frauen verdienen auch in der IT weniger

Männer bekommen mehr Gehalt als Frauen. Diese Regel gilt in Deutschland auch für die ITK-Branche. Der Gehaltsunterschied ist hier allerdings mit etwa zehn Prozent geringer als im Bundesdurchschnitt mit 23 Prozent. Dies zeigen Zahlen von IG Metall und der Hamburger Vergütungsberatung Personalmarkt. Am niedrigsten sind die Differenzen in der Softwareentwicklung: Frauen verdienen hier sechs Prozent weniger als Männer. In der Mitte liegen die Jobs rund um Beratung und Projekt-Management sowie die mehr technisch orientierten IT-Berufe wie Systemtechniker und Service-Management. Am höchsten sind die Gehaltsunterschiede mit einem Spitzenwert von 22,4 Prozent im Vertrieb.

IT-Fachkräftemangel wird sich künftig verstärken

Trotz anhaltender Wirtschaftskrise und damit deutlich gestiegener Arbeitslosenzahlen bleiben viele Arbeitsplätze für Informatik-Experten unbesetzt. Das Problem wird sich in den kommenden Jahren verschärfen, weil bei zwei Dritteln aller Hochschulen in den vergangenen Semestern Studienplätze im Fach Informatik frei geblieben sind. Das hat eine Untersuchung des BITKOM unter den deutschen Hochschulen ergeben. Während 78 Prozent der Universitäten freie Studienplätze melden, sind es bei den Fachhochschulen allerdings nur 36 Prozent. "Die Hochschulen können den Bedarf von Wirtschaft und Wissenschaft an Nachwuchskräften weiterhin nicht decken", erklärt BITKOM-Präsident Prof. August-Wilhelm Scheer. Allerdings habe sich die Lage etwas entspannt. 2007 und 2008 war die Zahl der Studienanfänger in der Informatik erstmals seit dem Jahr 2000 wieder gestiegen. Sie lag im vergangenen Jahr bei 32.106, ein Plus von vier Prozent zum Vorjahr.

Erstes ECommerce-Opfer der Arcandor-Insolvenz

Der Onlineshop MyBy ist erst einmal vom Netz genommen worden. Die MyBy GmbH mit Sitz in Düsseldorf ist einer der wenigen reinen Onlineshops, an denen die Primondo GmbH beteiligt ist. Primondo gehört zum Handelskonzern Arcandor und bündelt alle Versandhandelsaktivitäten des Konzerns. Durch den Insolvenzantrag von Arcandor sieht sich MyBy-Geschäftsführer Daniel Boldin nun gezwungen, "bis zur endgültigen Klärung der weiteren Vorgehensweise", den Betrieb des Shops einzustellen.

Siemens-Betriebsratschef ohne Hinweis auf zusätzlichen Personalabbau

Siemens-Gesamtbetriebsratsvorsitzender Lothar Adler weiß nichts darüber, dass der Konzern im kommenden Jahr weitere 10.000 Stellen streichen könnte. Laut Euro am Sonntag gibt es seiner Meinung nach momentan nicht den geringsten Hinweis darauf, dass kursierende Spekulationen zuträfen. Siemens komme mit der kürzlich von der Bundesregierung um sechs auf 24 Monate erweiterten Kurzarbeiterregelung bis weit ins nächste Jahr.

Neue Herausforderung in die Arbeitswelt durch Social Media

Eine Studie der Managementberatung Accenture hat ergeben, dass 57 Prozent der 570 Befragten Internetnutzer gerne Dinge über ihre eigene Person und Freunde im Web veröffentlichen. Und dies tun sie auch am Arbeitsplatz. 35 Prozent nutzen beispielsweise Social Networks am Arbeitsplatz. Bei fast jedem zweiten (48 Prozent) geschehen diese Aktivitäten ohne das Wissen der zuständigen IT-Abteilung. Das kann arbeitsrechtliche Konsequenzen haben: Arbeitnehmern muss klar sein, dass ihre Statements und Äußerungen in Bezug auf ihren Arbeitgeber in Social Media nicht privat sind, sondern in aller Öffentlichkeit statt  finden: "Schließlich müssen Mitarbeiter, die ihr Unternehmen in einem Zeitungsartikel diffamieren oder unautorisierten Informationen publizieren, auch mit Konsequenzen rechnen", so die auf IT-Recht spezialisierte Rechtsanwältin Elisabeth Keller-Stoltenhoff in einem Interview mit iBusiness.de.

Amazon tappt in die Nazi-Falle

Amazon gerät aktuell mächtig unter Druck. Deutsche Politiker fordern zum Boykott des Onlinehändlers auf, nachdem der Brandenburger Verfassungsschutz ein Amazon-Partnerprogramm auf dem NPD-Webangebot Nationales Netztagebuch entdeckt hatte. Durch alle Fraktionen der Parlamente hinweg, fordern deutsche Politiker den Onlinehändler Amazon auf, seine Geschäftsbeziehungen zur NPD-Webseite Nationales Netztagebuch zu beenden. Das Verlautbarungsorgan - Herausgeber ist der Kreisverband der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands Relation Browser (NPD) Barnim-Uckermark - hat ein Werbemittel aus dem Amazon-Partnerprogramm auf seiner Startseite eingebunden. Laut Recherchen des Tagesspiegels hat Amazon rechtsextremistische Schriften im Sortiment. Aus diesem Grund bewertet der Berliner Verfassungsschutz die Partnerschaft zwischen Amazon und der NPD als "absolut problematisch". Amazon will den Sachverhalt nun "prüfen".

Und dann war da noch: Familienweihnachtsfoto aus den USA taucht als Werbebild in tschechischem Supermarkt wieder auf

Die Wege des Internets sind manchmal schwer nachzuvollziehen. Als Familie Smith im letzten Jahr ein nettes Weihnachtsfoto mit Vater, Mutter und zwei Kindern an ein paar Freunde und Verwandte versendete, war nicht abzusehen, dass es als Werbeplakat in Prag zu überraschender Berühmtheit gelangen würde. Genau das ist aber nun passiert. Eine Freundin der Familie stolperte bei einem Ausflug in die Hauptstadt der tschechischen Republik über die großflächige Werbung.
Das Plakat wurde inzwischen entfernt. Familie Smith sollte mit einer guten Flasche Wein entschädigt werden. Ob sie sie angenommen hat, ist nicht bekannt.



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Claudia W., Schwerin
„Nur gemeinsam ist man stark. Das war mir von Anfang an klar. Also suchte ich eine Möglichkeit, mich aktiv einzubringen. Diese Möglichkeit wurde mir von der Gewerkschaft geboten. Darum bin ich seit Einstieg in mein Berufsleben dabei. Dabei in ver.di.“