Newsletter vom 15.04.2009

Krise: Experten befürchten negative Auswirkungen für IT-Freiberufler

Obwohl es der IT-Branche im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen noch recht gut geht, sehen viele freiberufliche IT-Spezialisten ihre Honorare auf Grund des Konjunkturabschwungs unter Druck. Aus einer Umfrage der GECO-Gruppe geht hervor, dass mehr als jeder zweite (56,57 Prozent) Befragte davon ausgeht, dass der Konjunkturabschwung negative Auswirkungen auf den Freiberuflermarkt in Deutschland hat. Bei der Einschätzung der Entwicklung von Projektanfragen für freiberufliche IT-Techniker gehen 37,71 Prozent der Befragten davon aus, dass die Auftragslage stabil bleibt. 18,29 Prozent rechnen mit einem Rückgang. Mit einem Rückgang sämtlicher IT-Anfragen rechnen sogar 44 Prozent der ITler. Im Hinblick auf die Entwicklung der zu erzielenden Projekthonorare gehen über ein Drittel der befragten Spezialisten von fallenden Stundensätzen aus. Die Zahl der bei der Bundesagentur für Arbeit im März gemeldeten arbeitslosen IT-Fachleute ist von 28.193 im Februar auf 28.565 gestiegen.

IT-Karriere: Soft Skills wichtiger als Programmierkenntnisse

Das Berufsbild von IT-Fachkräften hat sich in den vergangenen Jahren deutlich gewandelt: Beste Karrierechancen haben heute Informatiker, die durch Soft Skills überzeugen können. So finden sich in mehr als 90 Prozent der Stellenanzeigen für berufserfahrene ITler konkrete Anforderungen an die Persönlichkeit und die soziale Kompetenz der Bewerber.
Die Ergebnisse der Studie 'IT-Jobscout 2009' des Beratungs- und Softwarehaus PPI AG zeigt, dass nur in jedem dritten Jobangebot für Informatiker spezielle Programmierkenntnisse verlangt werden. In 90 Prozent der Stellenangebote werden hingegen Anforderungen an die Persönlichkeit und die soziale Kompetenz gestellt. Teamfähigkeit der Bewerber steht dabei ganz oben auf der Wunschliste der Personalverantwortlichen. In zwei von drei Stellenanzeigen für berufserfahrene IT-Fachkräfte wird danach gefragt. Ebenfalls wichtig: eine ausgeprägte Kommunikationsbereitschaft (55 Prozent) sowie eine starke Kunden- und Serviceorientierung (37 Prozent).
Das diesen Soft Skills eine so große Bedeutung bei der Bewerberauswahl eingeräumt wird, liegt an den veränderten Berufsanforderungen im IT-Sektor. Denn in der Regel arbeiten mehrere IT-Spezialisten gemeinsam an einem Projekt. Zudem besetzen IT-Experten immer häufiger wichtige Schnittstellenpositionen. Sie koordinieren Dienstleister, arbeiten mit Fachabteilungen zusammen und haben regelmäßigen Kundenkontakt. Sie müssen also technische Lösungen nicht nur verstehen, sondern auch anderen erklären und verkaufen können. Darüber hinaus können IT-Fachkräfte punkten, die zusätzlich zum Informatikstudium eine abgeschlossene Berufsausbildung vorweisen können. Sie sind für IT-Unternehmen besonders interessant, weil sie detaillierte Branchenkenntnisse aus ihrem Ausbildungsberuf mitbringen.

Prognose: IT-Ausgaben sinken dramatisch

Die anhaltende Wirtschaftskrise zieht immer weitere Kreise. Die renommierten Marktforscher von Gartner prognostizieren nun einen deutlichen Einbruch bei den IT-Ausgaben. Sie rechnen für 2009 mit einem weltweiten Rückgang der IT-Ausgaben von 3,8 Prozent auf 3,2 Billionen US-Dollar. Der Rückgang der IT-Auftragslage werde 2009 noch größer ausfallen als der Rückgang im Jahr 2001. Damals schrumpfte der Markt um 2,1 Prozent. Vor allem bei Computer-Hardware werden die Unternehmen im laufenden Jahr sparen. Hier rechnet Gartner mit einem drastischen Rückgang der Ausgaben von 14,9 Prozent. Bei IT-Dienstleistungen und im Telekommunikationsbereich bewegt sich der Abschwung im niedrigen einstelligen Bereich. Mehr ausgeben werden die Unternehmen nach den Erwartungen der Analysten für Software. Hier rechnen sie mit einem Zuwachs von 0,3 Prozent.

Heimvernetzung wird zum Milliardenmarkt

Heimvernetzung wird in Deutschland zu einem Milliardenmarkt und zum Treiber der gesamten Consumer Electronics. Die bisher getrennten Einzelgeräte aus IT, Telekommunikation und Unterhaltungselektronik werden immer stärker untereinander vernetzt, drahtlos oder per Kabel. Rund 600 Millionen Euro haben die Deutschen 2008 für entsprechende Router und ähnliches Zubehör ausgegeben und damit die Grundlage für die Vernetzung ihrer Haushalts-Elektronik gelegt. Der Branchenverband Bitkom erwartet in Deutschland in den kommenden Jahren eine ähnlich stürmische Entwicklung wie in den USA. Dort werden mit der Heimvernetzung von Unterhaltungselektronik rund 8 Milliarden Dollar pro Jahr umgesetzt. 2008 haben sich bereits 28 Prozent der Deutschen ab 10 Jahre Digitalfotos auf ihrem Fernseher angesehen. Jeder dritte Deutsche möchte über den Fernseher in der eigenen digitalen Musiksammlung stöbern und Musik hören. Sehr hoch ist auch das Interesse, über das TV-Gerät Spielfilme herunterzuladen (29 Prozent), im Internet zu surfen (25 Prozent) und Videotelefonie zu nutzen (20 Prozent).

MediaSaturn will den Amazon machen

Das Online-Engagement von Saturn und Media Markt geht weiter als bisher angenommen. Wie auch Amazon scheinen sich die beiden Fachmärkte im Internet nicht bloß auf den Verkauf von realen Produkten beschränken zu wollen. Sie kaufen im Bereich digitaler Vertrieb zu. Ganz wie der Noch-nicht-Konkurrent Amazon wollen die beiden Elektronik-Märkte Saturn und Media Markt auch digitale Produkte in ihren künftigen Onlineshops vertreiben. Zu diesem Zweck hat die Konzern-Holding MediaSaturn den Dienstleister für digitale Vertriebslösungen 24-7 Entertainment übernommen.

Datenskandal: Bis zu 14 Millionen Telekom-Kunden betroffen

Experten gehen davon aus, dass die gesamte Liste der Haupt-E-Mail-Adressen der T-Online-Kunden in die Hände von unbefugten Dritten gelangt ist. Das Sicherheitsteam der Resisto hatte herausgefunden, dass es offenbar ein Leichtes ist, die Mail-Adressen von T-Online-Kunden zu erschnüffeln. Dabei bediente es sich eines Tricks: Auf der Telekom-Homepage kann man sich seine Wunsch-E-Mail aussuchen. Existiert der Wunsch-Name bereits, gibt es eine entsprechende Rückmeldung, und man weiß, dass die E-Mail-Adresse existiert. Jeder T-Online-Kunde habe eine zwölfstellige Kundenkennzahl, die gleichzeitig auch als Mail-Adresse vergeben sei. Mit einfachen Programmen ist es möglich, diese E-Mail-Adressen durch reines Hochzählen herauszufinden. Mit rund 100 Milliarden Abfragen - aus Sicht der Computertechnik keine hohe Zahl - könnte man sich alle T-Online-Adressen beschaffen und diese für Müll-Mails (Spam) oder Datenhandel missbrauchen. Neben T-Online sind auch die Anbieter GMX und Web.de betroffen. Mittels automatisierter Abfragen ("Brute-Force") ist es möglich, bei Anbietern wie gmx oder web.de E-Mail-Adressen herauszufinden. Unter http://www.resisto.com stellt das Unternehmen eine kleine kostenlose Software zur Verfügung, mit der jeder Internetnutzer überprüfen kann, ob auch seine eMail-Adresse von der Lücke betroffen ist.

Nokia Siemens will Nortel kaufen

Ausrüster Nokia Siemens Networks (NSN) will sein USA-Geschäft ausbauen und ist Berichten zufolge am Geschäft des insolventen Konkurrenten Nortel Networks interessiert. NSN habe ein Gebot für große Teile von Nortel vorgelegt, meldet das "Wall Street Journal". NSN habe unter anderem Interesse an der Netzwerk-Sparte Nortels und der schnellen Mobilfunktechnologie LTE (Long Term Evolution).

Qimonda zieht es nach Bayern und verkauft Wafer-Fabrik

Nach der Pleite von Qimonda will der Freistaat Bayern die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten des Chipkonzerns von Dresden nach München holen. Die Staatsregierung hat Insolvenzverwalter Michael Jaffé aufgefordert, zu prüfen, ob Forschung und Entwicklung an der Isar eine Zukunftschance hätten, so das Handelsblatt. Unterdessen plant Qimonda, seine für drei Milliarden Dollar gebaute Halbleiterproduktionsanlage in Sandston, Virginia, zu verkaufen. Dazu wurden Berater engagiert. Findet sich kein Käufer sollen die Teile der Fabrik einzeln losgeschlagen werden. Die Qimonda-Pleite hat auch den Wafer-Spezialisten Nanolay mitgerissen. Über das Unternehmen mit 43 Mitarbeitern in Erlangen und Ilmenau wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. Insolvenzverwalter Volker Böhm sucht nun nach Investoren und spricht bereits mit acht Interessenten. Grund für die Insolvenz war der Wegfall von Großkunde Qimonda.

Siemens trennt sich von 20 Prozent seiner Lieferanten

Noch im laufenden Jahr will sich der Konzern von 20 Prozent seiner 370.000 Lieferanten trennen, erklärte Barbara Kux, Einkaufschefin von Siemens in einem Zeitungsinterview. 74.000 Zulieferer, vor allem Kleinunternehmen, verlören Siemens als Auftraggeber. Auch Philips baut Zulieferer ab: Ein Drittel der 50.000 Lieferanten müssen hier gehen.

Vodafone, Telefonica und United Internet wollen Hansenet kaufen

Telecom Italia erwartet für die zum Verkauf stehende deutsche Tochter Hansenet laut einer Reuters-Meldung mehrere Angebote. Interesse hätten die spanische Telefonica, die britische Vodafone sowie der Internetanbieter United Internet bekundet.

Und da war noch: Forscher warnen: Sonnenstürme vernichten 2012 die IT-Systeme der Welt

Momentan verhält sich die Sonne ungewöhnlich ruhig. Doch das werde sich ändern, warnt die US-amerikanische "National Academy of Sciences" in einer Studie (http://www.nap.edu/catalog.php?record_id=12507). Für 2012 sagen sie einen Höhepunkt bei den Solarstürmen voraus. Dabei würden derartige Mengen elektromagnetischer Strahlung abgesondert wie seit 1859 nicht mehr. Damals brannten alle Telegraphie-Verbindungen durch. Die heraufziehenden Sonnenstürme könnten einem Szenario zufolge die heftigsten der Moderne werden. Schäden in Billionenhöhe sowie Zusammenbruch von Transport, Kommunikation und Geldverkehr sehen die Forscher als mögliche Folge. Sogar der Zusammenbruch der Strom- und Wasserversorgung sei denkbar - vom Internet-Verkehr ganz zu schweigen. Nur speziell geschützte Serverfarmen und Rechenzentren hätten eine Chance.Von den geomagnetischen Stürmen werde sich die Zivilisation erst nach vier bis zehn Jahren erholen, warnt das NAS-Szenario. Wen wundert es: Nach dem Maja-Kalender geht am 21. 12. 2012 ein 26.000 Jahre dauernde Zyklus der menschlichen Zivilisation zuende, gefolgt von einer Art zivilisatorischen Reboot. Das beruhigt immerhin.







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Peter B., München
„Ich arbeite in einem Umfeld, in dem wir immer wieder mit neuen Restrukturierungs-ideen konfrontiert werden. Nur gemeinsam können wir Wege entwickeln, mit derartigen Situationen umzugehen oder zu versuchen, die Entwicklungen der eigenen Branche mitzugestalten. ver.di bietet hierzu die Plattform.“