Newsletter vom 19.01.2009

Green-IT: Deutsche Rechenzentren sind international vorn

Mit einem PUE-Wert (Power Usage Efficiency) von durchschnittlich 1,62 sind deutsche Rechenzentren im globalen Vergleich sehr gut positioniert. Allerdings bestehen zwischen einzelnen Rechenzentren große Unterschiede. Dies ergibt die aktuelle Studie "Bestandsaufnahme effiziente Rechenzentren in Deutschland" des Eco-Verbands. Auch Schwachstellen hat die Untersuchung aufgedeckt: Nur ein geringer Prozentsatz der Rechenzentrumsbetreiber (27%) führt regelmäßige Messungen durch, lediglich ein Drittel der Befragten (33%) hat verantwortliche Mitarbeiter für Energieeffizienz. Für die Studie wurden knapp 50 deutsche Rechenzentren mit einem jährlichen Gesamtenergiebedarf von 240GWh und Bruttoflächen bis 10.000 m2 ausgewertet. Die Studie ist kostenfrei erhältlich unter ak-datacenter@eco.de.

Hacker gehackt

In einer Studie über Cyber-Kriminalität "Learning More About the Underground Economy: A Case-Study of Keyloggers and Dropzones" beschreiben Mannheimer IT-Forscher Thorsten Holz, Markus Engelberth und Felix Freiling vom Laboratory for Dependable Systems der Uni Mannheim, wie sie Internetverbrecher in die Falle gelockt haben. Mit einem präparierten Computer, Honeypot genannt, ist es ihnen gelungen in die Netzwerke von Hackern, Crackern und Phishern einzudringen und ihre Dropzones aufzuspüren. Als Dropzones werden die geschützten bereiche des Internets bezeichnet, in denen die gestohlenen Daten abgelegt werden.
Die Studie ist im Web downloadbar: http://honeyblog.org/junkyard/reports/impersonation-attacks-TR.pdf

Seagate entlässt

Der Festplattenhersteller Seagate hat überraschend seine Unternehmensführung ausgetauscht und die Streichung von 800 Arbeitsplätzen angekündigt. Das Unternehmen hatte im Dezember 2008 eine um über 500 Millionen US-Dollar niedrigeren Umsatz als geplant ausgewiesen. Schuld seien die schwächere Nachfrage und der Preisdruck durch die Konkurrenz.

Qimonda wackelt

Die Rettung des Chipherstellers Qimonda mit Steuergeldern ist plötzlich wieder fraglich. Zwar hatten die Koalitionspartner SPD und CDU Ende Dezember 2008 einen Kredit über 150 Millionen Euro zugesagt. Der dazu nötige Nachtragshaushalt scheiterte jedoch im sächsischen Landtag, weil die CDU-Fraktion die Ausgabe blockiert hat. Während die FDP Subventionen für den Chiphersteller ablehnt, will die Linkspartei die Qimonda-Rettung unterstützen. Eine Schließung Qimondas ziehe einen Verlust von 4.500 Arbeitsplätzen bei Zulieferern nach sich, so die Chemnitzer Morgenpost unter Berufung auf einen Brancheninsider.

Logitech feuert

Der Schweizer Maus- und Tastaturhersteller Logitech plant wegen schlechtem Weihnachtsgeschäft einen Stellenabbau. Von den 3.500 Festangestellten sollen nun 15 Prozent gehen. Grund sei der Abbau von Lagerbeständen und der dadurch sinkende Umsatz. Bisher hatte Logitech für das Ende März endende Geschäftsjahr ein Umsatzplus von bis zu acht Prozent und eine Steigerung des Gewinns von drei bis fünf Prozent in Aussicht gestellt. Jetzt will man gar nicht mehr prognostizieren.

EMC reduziert

Storage-Hersteller will trotz zufriedenstellender Zahlen sicherheitshalber 2.400 Mitarbeiter entlassen. Geplant sind Reduzierungen in Verwaltung und Management sowie Kostensparungen bei Reisen und Ausgaben für Subunternehmer sowie Schließung von Niederlassungen. steht auf dem Programm. Von der Restrukturierung ist die Virtualisierungstochter VMware ausgenommen.

Microsoft streicht

Microsoft steht möglicherweise von Stellenstreichungen in größerem Umfang. Bis zu zehn Prozent der Angestellten könnten betroffen sein. Das berichtet ein Mitarbeiter in seinem Blog Mini-Microsoft. Während die Gerüchte bei den technischen Abteilungen nur von moderaten Streichungen wissen, scheinen es vor allem Verwaltungsbereiche und Low-Profit-Abteilungen zu sein, in denen der Rotstift angesetzt werden soll.
http://minimsft.blogspot.com/2008/12/rumors-of-upcoming-microsoft-cut-backs.html

Negroponte verringert

Das Projekt "One Laptop Per Child" (OLPC) von Nicholas Negroponte hat Entlassungen, Gehaltskürzungen und die Einstellung von Entwicklungsvorhaben angekündigt. Weil sich der Niedrigpreisrechner zunehmend Probleme bekam, sich gegen die Billigprodukte der kommerziellen Konkurrenz durchzusetzen, hat Negroponte im OLPC-Wiki angekündigt, dass die Hälfte der Projektbelegschaft gehen muss und dass die übrig bleibenden 32 Mitarbeiter mit Gehaltskürzungen rechnen müssten. Eingestellt wird die Entwicklung der Linux-basierten Lernumgebung Sugar.

Bitkom jubelt

Der IT-Verband BITKOM hat das Konjunkturpaket II der Bundesregierung begrüßt - vor allem die angekündigte Breitbandstrategie. Der Ausbau schneller Breitbandnetze der nächsten Generation werde einen Investitionsschub im Hightech-Sektor erzeugen und die gesamte Wirtschaft nach vorne bringen, jubelt der Verband. Die Bundesregierung hat das Ziel definiert, bis 2010 bislang nicht versorgte Gebiete mit schnellen Internetzugängen abzudecken. Bis 2014 sollen drei Viertel aller Haushalte in Deutschland an moderne  Glasfasernetze angeschlossen sein, die bis zu 20 Mal schneller sind als herkömmliche DSL-Leitungen.

Google widerspricht

Google hat einer Studie von Harvard-Physiker Alex Wissner-Gross widersprochen, nachdem eine Suchanfrage bei Google sieben Gramm CO2 freigesetzt wird - so viel, wie benötigt wird, um eine halbe Tasse Wasser zum Kochen zu bringen. Urs Hölzle, Senior Vice President von Google erklärte nun, dass eine Suchanfrage bei Google nur etwa 0,2 Gramm CO2 freisetzt. Weil Google-Server sehr schnell seien und nur 0,2 Sekunden dafür benötige. Andere Studien hatten CO2-Belastungen zwischen einem und zehn Gramm ermittelt. Im laufenden Betrieb verursacht ein Computer in einer Viertelstunde eine CO2-Belastung zwischen sieben und zehn Gramm.

SAP: Großauftrag und Stellenabbau

SAP hat von den Vereinten Nationen einen Großauftrag zur Erstellung einer neuen Management-Software erhalten. Der Deal hat nach Presseangaben ein Volumen von 300 Millionen Euro.
Gleichzeitig gehen die Spekulationen über die Folgen der angekündigten Umstrukturierungen des Walldorfer Softwarekonzerns weiter. In einem Interview gegenüber dem Mannheimer Morgen forderte der SAP-Betriebsratsvorsitzende: "Der Vorstand muss den Mitarbeitern ein klares Signal geben, dass es bei dem Umbau des Unternehmens nicht darum geht, Personal abzubauen".

IBM: Viele Patente und Spekulationen über Personalpolitik

IBM hat auch im Jahr 2008 wieder die meisten Patente bewilligt bekommen. Mit 4186 Patenten führt der IT-Konzern zum 16. Mal in Folge die Rangliste des Patentdatenbank-Betreibers IFI an
Über die Personalentwicklung von Big Blue herrscht indes Unklarheit. Zum einen halten sich hartnäckige Gerüchte, über einen geplanten Abbau von ca. 16.000 Stellen bei IBM (Computerzeitung / Alliance@IBM). Seitens IBM wurde diese Meldungen wie üblich weder bestätigt noch dementiert.
Gleichzeitig soll IBM-Sprecher Jim Larkin gegenüber US-amerikanischen Medien die Eröffnung eines neuen Computer Support Centers in Iowa und eines Software-Entwicklungs-Centers in East Lansing, Michigan angekündigt haben. Beide Maßnahmen könnten ca. 2800 neue Jobs schaffen.
Welche Auswirkungen die Personalpolitik für die deutschen IBM-Gesellschaften haben wird, bleibt vorerst ungeklärt. Allerdings gelten in Deutschland ver.di Tarifverträge, die den IBM-Beschäftigten und besonders den ver.di-Mitgliedern einen ganz besonderen Schutz bieten.

PC-Hersteller verstoßen gegen Menschenrechte

Die Nichtregierungsorganisationen WEED (Weltwirtschaft, Ökologie und Entwicklung) und SACOM (Students and Scholars against Corporate Misbehaviour) haben in ihrer Studie "The Dark Side of Cyberspace " Herstellern  wie Dell, Fujitsu Siemens Computers und Lenovo vorgeworfen, dass bei ihren chinesischen Zulieferern teilweise menschenunwürdige Arbeitsbedingungen herrschten. Die Zulieferfirmen Compeq Technology (Zulieferer von Dell und Lenovo) und Excelsior Electronics (Zulieferer von Fujitsu Siemens) sollen gegen nationale Gesetze, Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation sowie Verhaltenskodizes der Markenunternehmen selbst verstoßen. WEED und SACOM fordern die Markenunternehmen auf, Verantwortung für ihre Zulieferkette zu übernehmen.
Um den Druck auf die Markenunternehmen zu erhöhen hat WEED die europäische Kampagne ProcureITfair ins Leben gerufen. In deren Rahmen setzt sich die Organisation dafür ein, dass soziale Kriterien bei IT-Ausschreibungen öffentlicher Einrichtungen berücksichtigt werden.
http://www2.weed-online.org/uploads/the_dark_side_of_cyberspace.pdf

Streit um "Kölner Aufruf" gegen Killerspiele

Mehrere hundert Erstunterzeichner und Unterstützer aus dem wissenschaftlichen Umfeld haben den "Kölner Aufruf gegen Computergewalt" gestartet. "Killerspiele sind aktives Kriegstraining", so die Kernbotschaft. Kritik wird vor allem an den Hochschulen laut: "Die Entwicklung von Computerspielen wie die Verharmlosung ihrer Wirkungen funktionieren nur, weil Wissenschaftler und Hochschulen seit langem mitspielen." Es gäbe keinen Wissenschaftsstreit: Über 3500 empirische Untersuchungen würden den Zusammenhang zwischen dem Konsum von Mediengewalt und gesteigerter Aggressivität belegen: "Wissenschaftler, die dies leugnen, machen sich zu Komplizen und sind Profiteure des militärisch-industriellmedialen Komplexes, denn deren Institute erhalten umfangreiche finanzielle Unterstützung der Games-Industrie. Die Aufrufer fordern ein Verbot der Programmierung von gewaltverherrlichenden Computerspielen für Kinder und keine Anerkennung von Computerspielen als Kulturgut. Erstunterzeichner ist unter anderem Prof. Dr. Hans-Jörg Kreowski, Vorsitzender des gewerkschaftsnahmen Forums Informatiker für den Frieden FIFF sowie Prof. Gerald Hüther, Prof. Dr. Manfred Spitzer und Prof. Dr. Christian Pfeiffer.
Inzwischen wehren sich einige Wissenschaftlerverbände gegen die "Diffamierung", so die Die Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK). Der Versuch,"ein komplexes, gesellschaftliches Thema auf einfachste Erklärungsmuster und Handlungsstrategien zu verkürzen und Andersdenkende dem Pauschalverdacht der Korruption zu unterwerfen", bewege sich an der Grenze eines demokratischen Diskurses.
http://www.gwg-ev.org/cms/cms.php?print=1&textid=1384, http://www.gmk-net.de/

Bundesregierung gesteht: Biometrische Verfahren helfen nicht gegen Terroristen

Die Bundesregierung musste auf eine Anfrage der Linksfraktion einräumen, dass "biometrische Verfahren allenfalls sekundär zur Früherkennung von terrorverdächtigen Personen" herangezogen werden können. Dennoch hält die Regierung an ihren zahlreichen - auch EU-weiten - Entwicklungsprojekten, beispielsweise zur 3-D-Gesichtserkennung fest. Und dies in dem Wissen, dass hiermit kein einziger mutmaßlicher Terrorist erkannt werden würde. Allein im Bundeshaushalt für das Jahr 2008 wurden hierfür über 8 Millionen Euro ausgewiesen.

Yahoo hat neue Chefin

Nach dem Rücktritt von Jerry Yang hat Yahoo nun eine neue Chefin: Carol Bartz. Die 60jährige Informatikerin gilt als Branchenveteranin und hat schon für Cisco, Intel und andere gearbeitet. In den letzten Zuletzt leitete sie das IT-Unternehmen Autodesk.
Ihre Berufung beflügelt Gerüchte um einen neuen Anlauf zu dem im letzten Jahr immer wieder spektakulär gescheiterten Microsoft- Deal. Gegenüber den Beschäftigten habe sie laut Pressemeldungen erklärt, dass ihr Bachgefühl momentan dafür plädiere, nicht zu verkaufen. Allerdings wird ebenso spekuliert, dass Microsoft nur die Personalentscheidung abgewartet hätte, um ein neues Angebot vorzulegen.



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Peter B., München
„Ich arbeite in einem Umfeld, in dem wir immer wieder mit neuen Restrukturierungs-ideen konfrontiert werden. Nur gemeinsam können wir Wege entwickeln, mit derartigen Situationen umzugehen oder zu versuchen, die Entwicklungen der eigenen Branche mitzugestalten. ver.di bietet hierzu die Plattform.“