Newsletter vom 18.11.2008
Zwei Drittel aller IT-Firmen von Krise (noch) nicht betroffen
62 Prozent der kleinen und mittleren IT- und Telekommunikationsfirmen erwarten ein Umsatz-Plus für 2008. Das geht aus einer Bitkom-Umfrage hervor. Weitere 14 Prozent rechnen mit stabilen Umsätzen. Lediglich jedes vierte Unternehmen (24 Prozent) erwartet ein geringeres Geschäftsvolumen als im Vorjahr. In den Jahren 2007 und 2008 seien 35.000 zusätzliche Jobs im Mittelstand der IT- und Telekommunikationsbranche (ITK) entstanden. In 85 Prozent der ITK-Unternehmen hat die Finanzkrise bislang keinen Einfluss auf die Personalplanung.
In einer weiteren repräsentativen Untersuchung hatte der Bitkom 352 ITK-Unternehmen nach den Erwartungen für 2009 befragt, darunter Hardware-Hersteller, Software-Firmen und Telekommunikationsdienstleister. 72 Prozent der Firmen spüren bislang keine Auswirkungen der Krise.
Nach einer Umfrage des Branchenverbands Bitkom rechnen 42 Prozent der großen Unternehmen und gut ein Viertel der kleinen und mittelständischen Firmen mit negativen Auswirkungen auf ihr Geschäft. 27 Prozent bekommen schon jetzt weniger Aufträge als erwartet, das sind doppelt so viele wie noch im Oktober.
Widerstand gegen Onlinedurchsuchung hält an
Der Bundestag hat die Novelle des BKA-Gesetzes mit den Stimmen von SPD und CDU durchgewunken. Knapp wird es im Bundesrat: Das BKA-Gesetz hat nur eine Stimme Mehrheit wenn alle von Großen Koalitionen regierten Länder zustimmen.
Diese dünne Mehrheit scheint sich zurzeit aufzulösen. Auf dem Parteitag der sächsischen SPD am 16. November 2008 wurde ein Antrag verabschiedet, der die strikte Ablehnung der Onlinedurchsuchung vorsieht.
Durch das Gesetz soll das Bundeskriminalamt in dringenden Fällen auch ohne Richter-Genehmigung PCs durchsuchen dürfen. Zudem ist es BKA-Mitarbeitern überlassen, zu prüfen, ob unter den Daten besonders geschütztes Material aus dem Kernbereich der Privatsphäre ist.
Schlechte Zahlungsmoral bedroht kleine IT-Firmen
Vor allem kleinere Firmen und Dienstleister sind von Forderungsausfällen und überschrittenen Zahlungszielen betroffen, zeigt der 'European Payment Index' von Intrum Justitia. Mehrere Tausend Unternehmen in 25 europäischen Ländern wurden von dem Anbieter für Kreditmanagement befragt. Die Außenstände der Firmen summierten sich auf aktuell mindestens 250 Milliarden Euro - ungefähr so viel wie das Bruttosozialprodukt von Belgien. Besonders betroffen von Zahlungsverzögerungen und -ausfällen sind nach der Untersuchung kleine Unternehmen mit bis zu 19 Mitarbeitern. Sie müssen im Durchschnitt 3,1 Prozent ihrer Forderungen vollständig ausbuchen. Im Durchschnitt liegen die Forderungsausfälle bei 2 Prozent. Überdurchschnittlich stark betroffen sind Dienstleister.
HP/EDS-Beschäftigte wehren sich europaweit gegen Stellenabbau!
Erstmalig in der Geschichte organisiert sich die Belegschaft von EDS länderübergreifend gegen die geplanten Massenentlassungen bei HP/EDS. 24.600 Arbeitsplätze, davon 9.300 alleine in Europa, sollen dem Profitstreben des amerikanischen Konzerns in den kommenden zwei Jahren zum Opfer fallen.
Anlässlich des europaweiten Protesttages am 13. November demonstrierten HP/EDS Beschäftigte in Österreich, Belgien und Spanien; in Frankreich und Italien wurde sogar zeitweise die Arbeit niedergelegt. Die an diesem Tage auch in Deutschland durchgeführte Unterschriftensammlungen. Innerhalb weniger Stunden forderten fast 2.450 Angestellte von der Geschäftsleitung den Verzicht auf Personalabbau.
Der Personalabbau , so wurde aus Betriebsratskreisen geäußert, gefährdet die Lieferfähigkeit von EDS und bedroht somit nicht nur das eigene Unternehmen, sondern auch die Handlungsfähigkeit der Kunden.
Heftige Verluste bei United Internet
United Internet (1&1, GMX, Web.de) hat im dritten Quartal einen Verlust von 103,8 Millionen Euro gemacht. Grund waren Abschreibungen wegen Kursverfall bei den Freenet- und Drillisch-Beteiligungen. Der Umsatz stieg von 375 Millionen Euro auf 407 Millionen Euro, Analysten hatten aber mehr erwartet. Nun will das Unternehmen dieses Jahr nur noch um 11,6 statt um 16 Prozent wachsen.
QSC macht wieder Gewinn
Der DSL-Anbieter QSL kehrte im dritten Quartal 2008 mit einem Plus von 2,1 Millionen Euro in die Gewinnzone zurück. Im zweiten Quartal 2008 war noch ein Minus in Höhe von 1,5 Millionen Euro angefallen, im Vorjahresquartal lag das Defizit bei 4,7 Millionen Euro. Ende des Jahres will man wenigstens ausgeglichen sein.
Infineon flüchtet vor Gehaltserhöhungen
Chiphersteller Infineon ist mit sofortiger Wirkung aus dem Tarifverband der bayerischen Metallarbeitgeber ausgetreten, um die mit der IG Metall ausgehandelte Gehaltserhöhung nicht zahlen zu müssen. Wegen der angespannten Marktsituation wolle man im laufenden Geschäftsjahr für Tarifangestellte keine Gehaltserhöhung vornehmen.
Fujitsu kauft Fujitsu Siemens
Fujitsu will die 50-prozentige Beteiligung von Siemens an ihrem Joint Venture Fujitsu Siemens Computers (FSC) bis zum 1. April 2009 übernehmen. Der Kaufpreis beläuft sich auf rund 450 Millionen Euro. FSC-Chef Bernd Bischoff tritt aus "persönlichen Gründen" zurück. Fujitsu Siemens Computers wurde am 1. Oktober 1999 als ein 50:50 Joint Venture mit Sitz in Maarssen, Niederlande, gegründet. Damit verabschiedet sich Siemens von einer weiteren ITK-Aktivität. Künftig will man sich auf die strategische Entwicklung der Sektoren Industry, Energy und Healthcare konzentrieren. Die 2.500 Arbeitsplätze in Deutschland sind nach IG-Metall-Angaben zur Zeit nicht gefährdet. Durch die Übernahme und das in diesem Zusammenhang zurückgefahrene Sonderaktionen in Elektronik-Supermärkten verlor Fujitsu Siemens Computers in Deutschland Marktanteile. Im dritten Quartal sank man auf 11,9 Prozent, ein Minus von 4,7 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das bedeutet für den Marktführer 2007 nur ein Platz 3 hinter Acer und Hewlett-Packard.
Qimonda droht das Ende
Betriebsräte warnen nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung vor einem Untergang des Milliardenkonzerns. Das gesamte Unternehmen ist nach einem internen Schreiben von Arbeitnehmervertretern gefährdet. Die Politik müsse helfen, einen Investor zu finden, sonst stünden auch die restlichen Arbeitnehmer vor dem Ende. Allein in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahrs ist den Berichten zufolge ein Minus von 1,5 Milliarden Euro aufgelaufen, die Chippreise sind ohnehin im freien Fall. Ein Qimonda-Sprecher sagte am Montagabend auf Nachfrage der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires, die Situation sei sehr ernst bei Qimonda und im gesamten Halbleitersektor. Die Zeitung schreibt unter Berufung auf Konzernkreise weiter, die Lage des Unternehmens habe sich seit dem Sommer nochmals verschlechtert. Das Qimonda-Management hoffe zwar in den nächsten Wochen auf ein Ende der Branchenkrise. Bleibe der Preiskampf aber so hart wie in den vergangenen Monaten, müsse der Konzern "mit dem Schlimmsten" rechnen.
Zwei IT-Onlineshops in der Insolvenz
Sowohl die Bug Computer Components AG, Betreiber des Online-Shops E-Bug, als auch die e-Tail GmbH, Betreiber des Online-Shops Norsk-IT haben Insolvenzantrag gestellt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter beider Firmen wurde Rechtsanwalt Helge Wachsmuth aus Hannover bestellt.
Internet-Nutzer zahlen gerne Öko-Aufschlag
59 Prozent der deutschen Internetnutzer ist bereit, Preisaufschläge für umweltverträgliche Produkte in einer Range von fünf bis zehn Prozent in Kauf zu nehmen. Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Online-Studie in 17 Ländern durch die Marktforscher von TNS. Knapp die Hälfte (48 Prozent) der umweltbewussten Nutzer würden Ökoprodukte kaufen, wenn die Preise bis zu fünf Prozent höher wären als herkömmlich hergestellte Waren. 40 Prozent der Befragten akzeptieren sogar einen Aufschlag in Höhe von zehn Prozent. Darüber hinaus wird es für die Händler schwierig. Denn bei einem Unterschied von 15 Prozent wären nur noch sieben Prozent der Online-Kunden zum Kauf bereit. Für einen Aufschlag von 20 Prozent können sich nur vier Prozent der befragten Nutzer erwärmen. Noch größere Preisunterschiede würde hierzulande so gut wie kein Kunde mehr akzeptieren, so die Studie.
IT-Unternehmen entlassen weiter
Das Reigen der Entlassungsmeldungen geht international weiter: AMD hat die Entlassung von weiteren 500 Mitarbeitern oder drei Prozent seiner weltweiten Belegschaft bekannt gegeben. Nokia will bis zu 600 Mitarbeiter, vor allem im Marketing rauswerfen, weil das Ergebnis im dritten Quartal so schlecht war. Und Dell hat seine Mitarbeiter aufgefordert, ein bis fünf Tage unbezahlten Urlaub zu nehmen, um möglicherweise notwendige Entlassungen zu vermeiden. Cisco wiederum hat nur einen Einstellungsstopp verhängt.
Zumindest gut für Deutschland ist die Sache bei Novell ausgegangen: Hier werden zwar alle Mitarbeiter nach Hause geschickt, dürfen aber per Telearbeit weiterarbeiten. Im Gegensatz zu den sechs Novell-Mitarbeitern in Wien: Diese Niederlassung wird ganz dicht gemacht.
Yahoo!-Chef Yang tritt zurück
Yahoo!-Chef Jerry Yang hat seinen Rücktritt angekündigt. Der 40-jährige Mitgründer des krisengeschüttelten Internet-Konzerns sperrte sich einer Fusion mit Microsoft und fiel schließlich in Ungnade. Sein Rückzug heizt nun auch neue Spekulationen übert eine mögliche Übernahme wieder an.
Yahoo! steht in massive unter Druck, kämpft mit sinkenden Gewinnen und streicht derzeit weltweit rund zehn Prozent der Stellen.