Newsletter vom 18.06.2008
Fachkräfte unter Druck
Sieben von zehn qualifizierten Fachkräften denken darüber nach, in den nächsten zwei Jahren den Job zu wechseln. So lautet das Ergebnis einer gemeinsamen Umfrage des Instituts für Mittelstandsforschung der Universität Lüneburg, des Hanseatischen Personalkontor Hapeko und des Online-Jobportals StepStone. Qualifizierte Arbeitnehmer fühlten sich innerhalb ihrer Unternehmen einem verschärften Wettbewerb um attraktive Positionen ausgesetzt, sagen die Forscher. So stimmte ein knappes Drittel der Aussage zu: "Die Unternehmensleitung forciert ganz bewusst den Wettbewerb ihrer Mitarbeiter um attraktive Aufstiegspositionen." Jeder Vierte nannte die Kollegen, aber nur jeder Sechste den Vorgesetzten als Ursache des internen Wettbewerbsdrucks. Zwei Drittel der Befragten üben nach eigenen Angaben Tätigkeiten aus, die ihren Qualifikationen entsprechen, immerhin ein Drittel sieht sich aber inadäquat beschäftigt. Jeder Zweite ist zudem der Meinung, nicht seiner Ausbildung entsprechend bezahlt zu werden. 70 Prozent der Befragten tragen sich daher mit dem Gedanken, den Arbeitgeber zu wechseln. Vor allem große Unternehmen schneiden bei der Beurteilung nicht gut ab, so die Meinungsforscher. Keine großen Unterschiede zeigten die Antworten von Männern und Frauen.
T-Systems: Tarifverhandlungen vertagt
Die aktuell anstehenden Tarifverhandlungen bei T-Systems sind bisher ohne Ergebnis geblieben. Die Geschäftsführung und ver.di haben sich daher auf den 1. und 2. Juli vertagt, wie es heißt. Zwar hatte die Telekom erstmals ein Angebot vorgelegt, welches erfolgsabhängige Einmalzahlungen vorsah, je nach Entwicklung des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Doch hatte ver.di das Angebot als "Zumutung" zurückgewiesen. Die Gewerkschaft fordert für die rund 30.000 Beschäftigten in Deutschland Einkommensverbesserungen um 6,5 Prozent.
Weitere Informationen finden Sie auch in unserem T-Systems-Update.
IT macht krank
Einen geradezu dramatischen Gesundheitsreport über Menschen in der IT-Branche hat das Rhein-Ruhr-Institut für Sozialforschung und Politikberatung (RISP) an der Rhein-Ruhr-Universität Essen und Duisburg herausgegeben. Demnach leiden Fachkräfte in Softwareentwicklungs- und Beratungsprojekten im Vergleich zum durchschnittlichen Arbeitnehmer bis zu viermal so häufig unter psychosomatischen Beschwerden wie chronische Müdigkeit, Nervosität, Schlafstörungen und Magenbeschwerden. 40 Prozent gaben in der Umfrage eine Zunahme chronischer Erschöpfung zu Protokoll, einem Frühindikator für Burnout. 30 Prozent gaben an, sie hätten Probleme, sich zu erholen. Der Gebrauch von Antidepressiva liegt laut Studie bei IT-Beschäftigten um 60 Prozent, der von Psychopharmaka um 91 Prozent höher als im Durchschnitt aller Beschäftigten. Die Forscher sehen hierfür im wesentlichen folgende Gründe: Bei der Projektarbeit arbeite man meist in mehreren parallel laufenden Projekten. Dabei komme es zu widersprüchlichen Arbeitsanforderungen, die als belastend erlebt würden. Die immer kleinteiliger werdende Arbeit führe dazu, dass häufig nur noch bestimmte Module und nicht mehr wie früher übergreifende Prozesse zu bearbeiten seien. Belastungseffekte durch neue Managementkonzepte forderten den Mitarbeitern oft eine stärkere Selbstorganisation und Selbstkontrolle ab als gewohnt. Vereinbarte Ziele sollten bei einer stärkeren Markt- und Kundenorientierung selbstorganisiert erreicht werden. Und Aufstiegsmöglichkeiten würden schlussendlich zunehmend an leistungsbasierte Bewertungssysteme gekoppelt, aufwandsbezogene Modelle der Leistungsbeurteilung durch ergebnisorientierte Konzepte ersetzt. Dies fördere die Tendenz zur Ausweitung der Arbeitszeit. Hinzu kämen die Angst vor Arbeitslosigkeit und die Tatsache, dass eine älter werdende Belegschaft dem permanenten Zwang zur Weiterbildung ausgesetzt sei, die wiederum wenig organisiert stattfinde. Die Beschäftigten müssten sich in ihrer Freizeit individuell weiterbilden. Besonders ausgeprägt gelte dies für Freiberufler. In den Führungsetagen geht es aber anscheinend nicht besser zu: Das Institut zitiert eine Umfrage aus dem Jahr 2004, bei der 700 europäische IT-Verantwortliche in Unternehmen mit mehr als 200 Mitarbeitern zu ihrer Arbeitssituation befragt wurden. Dabei gaben 83 Prozent der Manager an, schlecht zu schlafen, weil sie sich um ihren Arbeitsplatz sorgten. Jeder Dritte hatte Angst, seine Aufgaben nicht bewältigen zu können und ernährte sich zudem von Fertiggerichten, um Zeit zu sparen.
Telekom: Aus für Gera?
Betriebsrat und Gewerkschaft befürchten die Schließung des Telekom Callcenters in Gera. So soll das Servicecenter der Telekom-Tochter Vivento Customer Services mit 140 Mitarbeitern verkauft werden, wie bereits die Ostthüringer Zeitung meldete. Danach wären wohl auch die übrigen 150 Arbeitsplätze, also insgesamt 290 Stellen bedroht, schlussfolgerte die Zeitung. Ein Telekom-Sprecher bestätigte, dass das Vivento-Servicecenter verkauft werden soll. Allerdings gäbe es noch keinen Käufer. In diesem Fall seien aber lediglich die 140 Vivento-Mitarbeiter betroffen, betonte der Sprecher. Der Gewerkschaft ver.di warf er vor, unnötig "Ängste zu schüren".
Ergebnis bei Tarifverhandlungen bei Media Broadcast GmbH
Nach fünf Verhandlungsrunden konnte am 09. Juni 2008 in Bonn ein akzeptables Verhandlungsergebnis erzielt werden. Das Ergebnis steht zwar noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der verantwortlichen ver.di-Gremien. Arbeitskampfmaßnahmen sind damit vorerst vom Tisch.
Hightech-Gründerfonds für Frühphasen-Investitionen
Die Zahl der Hightech-Unternehmensgründungen in Deutschland ist im vergangenen Jahr abermals angestiegen, nachdem in den Jahren 2003 bis 2005 eher wenig passierte. Der Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) verweist auf 128 neue Unternehmen, die seine Mitglieder im vergangenen Jahr finanziert hätten. Das seien 88 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Volumen aller Frühphaseninvestitionen (mit "seed" als erster und "start-up" als zweiter Finanzierungsrunde) stieg um rund ein Drittel auf 349,4 Millionen Euro. Diese Steigerung sei zum großen Teil auf die Aktivitäten des High-Tech Gründerfonds (HTGF) zurückzuführen, der im vergangenen Jahr 40 neue Unternehmen finanziert habe, meint der BVK. Zu seinem Portfolio gehörten derzeit insgesamt 106 Unternehmen aus den Bereichen Life Science, Informations- und Kommunikationstechnik, Automation/Elektronik, "Cleantech" und sogenannte "Enabling Technologies". Zu den Investoren des mit 272 Millionen Euro ausgestatteten Fonds mit Sitz in Bonn zählen, neben dem federführenden Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, die KfW Mittelstandsbank, sowie die Firmen Bosch, Siemens, BASF, Telekom, Daimler und Zeiss.
Dresden ist Hightech-Town
Dresden ist die Stadt mit dem bundesweit höchsten Anteil an Hightech-Arbeitsplätzen, behauptet eine neue Studie des Branchenverbandes Bitkom. So seien 8,7 Prozent aller Beschäftigten in der Stadt und den angrenzenden Landkreisen im Hightech-Sektor beschäftigt. 62.000 Menschen arbeiten demnach in der Hochtechnologie-Branche, wozu - wen wundert's - besonders die Ansiedlung der großen Chiphersteller AMD und Infineon beigetragen habe. Der Großraum München kommt nach dieser Studie lediglich auf Platz zwei mit einem Beschäftigten-Anteil von 8,5 Prozent. Dort seien allerdings tatsächlich 182.000 Menschen in diesem Bereich tätig. Auf den weiteren Plätzen folgen Nürnberg/Erlangen und Karlsruhe mit jeweils 7,6 Prozent, Berlin (7,0 Prozent), Hamburg (6,9 Prozent), Frankfurt/Main (6,5 Prozent), Köln/Bonn (6,3 Prozent), Leipzig (6,2 Prozent) und Freiburg (6,0 Prozent). "Die Struktur der regionalen Arbeitsmärkte zeigt ein starkes Nord-Süd-Gefälle bei der Verteilung von Hightech-Jobs", sagt Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer zu den Zahlen. So sei der Norden abgesehen von den Stadtstaaten Berlin und Hamburg eine "Hightech-Wüste". Dies ist laut Scheer aber kein Naturgesetz: Eine kluge Innovationspolitik könne dies bereits mittelfristig ändern. Die Schaffung zukunftsfähiger Arbeitsplätze in den im Ranking vorn platzierten Regionen sei einer klugen Standortpolitik zu verdanken.
Ab und zu ein Spielchen
Wer während der Arbeitszeit das Internet kurzzeitig auch für private Zwecke nutzen darf, baut damit Stress ab und erhöht seine Konzentration und Produktivität bei der Weiterarbeit. Das will eine Studie des Computerspieleherstellers PopCap beweisen und stellt sich damit gegen die Verbote in vielen Unternehmen, das Internet am Arbeitsplatz für private Angelegenheiten zu nutzen. Gerade das Verbot, privat zu surfen, verursache beispielsweise in Großbritannien jährlich einen Produktivitätsverlust in Höhe von fünf Milliarden Euro, behaupten die Autoren der Studie. Als Grundlage für die Ergebnisse dienten psychometrische Untersuchungen, die in englischen Firmen unter Beobachtung eines Psychologen der Goldsmith Universität durchgeführt wurden. "Der Bericht zeigt, dass bereits eine zehnminütige E-Break am Tag signifikante Vorteile bringen kann. Dennoch sehen viele Vorgesetzte das Risiko, dass ihre Mitarbeiter durch solche Pausen abgelenkt werden", kommentiert Forschungsleiter Tomas Chamorro-Premuzic die Ergebnisse. Planten Chefs eine solche E-Break, also eine private Surfpause fest in den Arbeitsalltag ein, dann führe dies zu mehr Vertrauen im Arbeitsumfeld, erhöhter Produktivität und dadurch wiederum zu einem höheren Profit, erklärt der Psychologe. Die Forscher erstellten auch ein Ranking der verschiedenen Pausenbeschäftigungen. Auf Platz eins kommen demnach Puzzle- und Gelegenheitsspiele, die laut den Ergebnissen in Bezug auf den Produktivitätslevel der Angestellten den größtmöglichen positiven Effekt haben sollen. Es folgen soziale Netzwerke und private E-Mails, Online-Shopping und allgemeines Web-Surfen. Diese Ergebnisse kommen dem Auftraggeber der Studie sehr entgegen: Denn Popcap ist selbst Anbieter von Internetspielen.
Nokia: Letzte Betriebsversammlung
Zur letzten Betriebsversammlung am abzuwickelnden Nokia-Standort Bochum kamen noch einmal rund 1000 Mitarbeiter zusammen, um sich von Betriebsrat und IG Metall eine Transfergesellschaft präsentieren zu lassen. Die hierzu eingesetzte Personalentwicklungs- und Arbeitsmarktagentur (PEAG) will ab Juli möglichst viele Ex-Mitarbeiter weitervermitteln. Von den 2300 Gekündigten seien derzeit noch etwa 1600 auf Arbeitssuche, so die aktuelle Einschätzung der Lage. "Es gibt schon zahlreiche Interessenten für das Nokia-Gelände", schürte der stellvertretende Nokia-Betriebsratsvorsitzende Silvano Guidone wiederum Hoffnungen. Der von Betriebsrat und Geschäftsleitung ausgehandelte Sozialplan hat unterdessen ein Volumen von 200 Millionen Euro. 185 Millionen Euro sollen in Form von Abfindungen ausgezahlt werden, 15 Millionen bekommt die Transfergesellschaft.
Keine Kündigung wegen Webkommentaren
Die wegen unvorsichtiger Sprüche im Social Network StudiVZ gekündigten Auszubildenden und Angestellten des Hotels "Zur Bleiche" in Burg/Spreewald können aufatmen. Das Arbeitsgericht in Cottbus erklärte die ausgesprochenen Kündigungen für unwirksam. In dem Forum im Forum "Der Storch muss hängen" bei StudiVZ hatten die Mitarbeiter ihrem Unmut über die Arbeitsbedingungen und den Chef freien Lauf gelassen und dabei recht drastischen Formulierungen gefunden: Der Storch ist das Logo der Bleiche. Auch ein Gas-Unfall in dem Hotel wurde entsprechend kommentiert. Im Prozess hatte der Hotelbetreiber erklärt, er halte schon die Mitgliedschaft in der Gruppe für einen Vertrauensbruch. Ein Teil der Gekündigten ging vor Gericht und stellte die Diskussionen im Internet als harmloses Geblödel dar. Das Gericht konnte keinen Beweis für die Verabredung zu kriminellen Handlungen, etwa einen Gas-Anschlag finden, wie von der Gegenseite behauptet. Und die Äußerungen an sich seien von der Meinungsfreiheit gedeckt und gingen den Arbeitgeber im übrigen nichts an.
Telekom: Erfolgreich beim Personal-Abbau
Die Telekom war beim Personalabbau schneller und erfolgreicher als gedacht. Sie kann ihr eigentlich bis zum Jahresende laufendes Programm von 32.000 Stellenstreichungen nun vorzeitig abschließen, wie es heißt. Diese schöne Erfolgsmeldung gab Bereichsvorstand Dietmar Welslau gerade dem Bonner General- Anzeiger. Wann genau das Programm nun beendet sein werde, wollte er allerdings nicht sagen. Telekom-Chef René Obermann hatte nach Angaben der Zeitung in der Vergangenheit mehrfach betont, dass der Konzern die Effizienz weiter verbessern müsse, und auch einen über das Jahr 2008 hinausgehenden Personalabbau nicht ausgeschlossen. Ver.di befürchtet nach Angaben des Bundesvorstandsmitglieds Lothar Schröder in den kommenden drei bis vier Jahren einen Abbau von bis zu 35.000 Arbeitsplätzen. Bisher hat die Telekom, wie es heißt, auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet. Welslau wies auch darauf hin, dass es bei T-Home in diesem Jahr zahlreiche Neueinstellungen geben werde.