Newsletter vom 17.03.2008

Fortbildung für Freelancer ist überlebenswichtig

Der Berufsverband Selbständige in der Informatik (BVSI) warnt davor, die gegenwärtig gute Auftragslage allzu sorglos zu genießen. Fortbildung sei gefragt. Durch die Finanzkrise in den USA wurden auch hierzulande, besonders im Bankensektor, Projekte bereits wieder heruntergefahren, heißt es zur Begründung. Auf einem enger werdenden Markt könnten nur diejenigen überleben, die anstatt nur Aufträge anzunehmen auch einmal - unter Umständen auf Kosten des Umsatzes - Zeit und Geld in ihre Weiterbildung investierten, sagte Verbandsvorstand Dirk Bisping gegenüber der Computerzeitung. Zwar seien für das Jahr 2008 insgesamt keine großen Auftragseinbrüche zu erwarten, aber der Trend zum Outsourcing werde von den Freiberuflern allgemein unterschätzt, glaubt Bisping: "Heute führen ausländische Firmen längst komplette IT-Projekte durch" - die Zeiten des reinen Codierens seien vorbei.


Arbeitslosigkeit bei IT-Fachkräften sinkt nicht trotz Fachkräftemangel


Im Februar gab es 30.000 offiziell arbeitslos gemeldete IT-Spezialisten. Damit ist gegenüber dem Jahresanfang 2007 kein nennenswerter Abbau der Arbeitslosigkeit in diesem Bereich zu verzeichnen, obwohl IT-Fachkräfte gemäß öffentlichen Appellen, etwa des Branchenverbandes Bitkom, ja angeblich händeringend gesucht werden. Der Arbeitsagentur werden hingegen konstant nur rund 7000 offene Stellen gemeldet. Der Rest der Jobsuchen findet auf dem offenen Markt statt. Der Markt wiederum scheint sich danach wiederum für die bei der Arbeitsagentur gelisteten IT-Arbeitslosen nicht zu interessieren.


Nordrhein-Westfalen will von Nokia Geld zurück

Das Land Nordrhein-Westfalen will von dem sich aus Bochum zurückziehenden Handykonzern Nokia die gezahlten Subventionen zurückfordern. Dabei geht es um 60 Millionen Euro für den einstigen Aufbau des nun aufgegebenen Produktionswerks, die nach Meinung der Landesregierung nicht im gewünschten Sinne, das heißt zur Schaffung der vereinbarten Anzahl von Arbeitsplätzen, verwendet wurden. Die Forderung dürfte indes verjährt sein, meinen in der Financial Times Deutschland befragte Juristen. Außer, man könne Nokia eine "intransparente, fehlerhafte oder gar manipulierte Darstellung der tatsächlichen Zahl der Arbeitsplätze" nachweisen, so ein Anwalt in der FTD. Das behauptet mittlerweile die involvierte NRW-Bank - allerdings mit sieben Jahren Verspätung. Derweil verkauft Nokia nach eigenen Angaben genauso viele Handys wie eh und je, theatralische Politiker-Boykotte hin oder her.


Bei Balda ist endlich das Geld da

Die Belegschaft des Handyherstellers Balda hatte eine erhebliche Verzögerung bei der Auszahlung ihrer Löhne hinnehmen müssen. Doch nun seien alle Mitarbeiter bezahlt, beteuert die Firmenleitung. Als Grund für die Probleme wurde der Rückkauf der Handyschalen-Fertigung angegeben. Dieser Rückkauf war beschlossen geworden, als der Käufer KS Plastic Solutions einen Verlustausgleich in Höhe von 30 Millionen Euro für die frisch erworbene Tochterfirma geltend machen wollte. Die NordLB hat unterdessen im Auftrag eines ungenannten Kunden rund 15 Prozent der Anteile an Balda erworben, die dieser aber bisher noch nicht entgegen genommen hat. Der Aktienkurs des Unternehmens sank schließlich seit Dezember 2007 von ca. 10 auf aktuell 3,80 Euro. Den für diesen Deal verantwortlichen Händler hat die Bank nach letzten Informationen gefeuert. Bei dem mysteriösen "Nun-wohl-lieber-doch-nicht"-Käufer soll es sich Gerüchten zufolge um eine Firma des vom einstigen IT-Wunder- längst zum Branchen-Sorgenkind gereiften Lars Windhorst handeln.


Wie man Arbeitslosenzahlen aufhübscht


In Deutschland werden rund 3,2 Millionen Menschen, die Arbeitslosengeld beziehen, in der offiziellen Arbeitslosenstatistik einfach nicht mitgezählt. Dies ist das Ergebnis einer kleinen Anfrage der FDP an den Bundesarbeitsminister, nachzulesen kürzlich unter anderem in der FAZ. Der Grund hierfür liege zum einen in der so genannten 58er-Regelung, erklärte der Parlamentarische Staatssekretär des Ministeriums, Klaus Brandner. Diese allerdings zum Jahresende 2007 ausgelaufene Regelung gewährte Arbeitnehmern ab diesem Alter einen Anspruch bis zum Antritt der Rente, auch wenn sie dem Arbeitsmarkt erklärtermaßen nicht mehr uneingeschränkt zur Verfügung stünden (indem sie die völlig unrealistische Suche nach einem Arbeitsplatz aufgegeben haben). Dies treffe derzeit noch auf drei Viertel der Bezieher von Arbeitslosengeld I zu, werde sich aber sukzessive ändern. Zum anderen würden beispielsweise auch Personen, die erkrankt seien oder in "Maßnahmen" der Arbeitsförderung "geparkt" wurden, nicht als Arbeitslose in der Statistik geführt. Die FDP-Abgeordnete Claudia Winterstein monierte denn auch im Haushaltsausschuss, die Statistik sage "nur die halbe Wahrheit". Offiziell habe es im Jahr 2007 zwar "nur" 3,77 Millionen Arbeitslose gegeben, tatsächlich aber 6,34 Millionen Bezieher von Arbeitslosengeld - die aber aus kosmetischen Gründen nicht so genannt werden.


Telekom stellt Personal ein

Die deutsche Telekom wird im laufenden Jahr 4000 neue Mitarbeiter einstellen. Ein Viertel davon wurde nach Informationen der Agentur Reuters bis jetzt bereits engagiert. Auf der anderen Seite will die Telekom bekanntlich Standorte zusammenlegen und ihre Verwaltungsabteilungen ausdünnen. "Wir bauen in einigen Bereichen Stellen auf, in anderen aber auch ab", erklärte Personalvorstand Thomas Sattelberger hierzu. Insbesondere wolle man so einer Überalterung der Belegschaft entgegenwirken und die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens sicherstellen.


Nach Pleiten, Pech und Pannen: Neue Hartz-IV-Software avisiert

Auch das Elend will verwaltet sein: Die Bundesagentur für Arbeit will ihre Software zur Berechnung des Arbeitslosengeldes II bis 2013 durch ein neues Programm ersetzen. Auf A2LL soll damit in voraussichtlich fünf Jahren Allegro folgen. Mit der mindestens 90 Millionen Euro teuren Neuentwicklung sollen die ständigen Pannen und Peinlichkeiten der jetzigen Lösung dann endlich der Vergangenheit angehören. Zuletzt war A2LL im November wegen Überlastung zusammengebrochen und Auszahlungsvorgänge verzögerten sich.


Auf den Punkt gekommen: Einigung zwischen Telekom und ver.di

Die 5500 Mitarbeiter in den T-Punkt-Geschäften der Telekom bekommen 3,8 Prozent mehr Lohn über 16 Monate sowie eine einmalige Zahlung von maixmal 650 Euro. Damit ist der Tarifstreit beigelegt. Beide Seiten zeigten sich mit dem Ergebnis zufrieden, dem indes die Tarifkommission der Gewerkschaft noch ihren offiziellen Segen geben muss.


EU will mehr Frauen in der IT sehen

Angesichts des Fachkräftemangels sollten gezielt Frauen für IT-Berufe angesprochen bzw. deren Ausstieg aus der Branche gestoppt werden, sagte die EU-Kommissarin Viviane Reding auf einer Konferenz zu diesem Thema. Sie will deshalb bis zum Internationalen Frauentag im kommenden Jahr einen Leitfaden zur Frauenförderung in IT-Berufen auf den Weg bringen. Vor allem müssten aber auch einige Vorurteile über IT-Berufe widerlegt werden, meint die Kommissarin. Erfreulich sei, dass der Anteil weiblicher Absolventen technischer Studiengänge in Europa bereits gestiegen sei. Aktuell liege er bei 19 Prozent. Insgesamt befänden sich aber die Neuzugänge an Studienanfängern etwa im Fach Informatik "im freien Fall".


Ericsson schließt Entwicklung in Backnang

Der Handy-Hersteller Ericsson beabsichtigt die Schließung seiner Forschungs- und Entwicklungsabteilung in Backnang. Wie der Betriebsrat öffentlich mitteilte, sollen hiervon 265 der rund 600 Mitarbeiter in der kleinen Stadt in der Nähe Stuttgarts betroffen sein. Rund 300 Mitarbeiter demonstrierten vergangene Woche gegen die Pläne. Die Unternehmensleitung beruft sich darauf, dass in den letzten Jahren zu viele Entwicklungsstandorte aufgebaut worden sein sollen. Bundesweit will Ericsson, wie bereits vor längerem angekündigt, in diesem Jahr rund 350 Arbeitplätze "auf den Prüfstand stellen".  Der ehemalige Telefunken-Standort Backnang war zuletzt von der Firma Marconi betrieben worden, die wiederum im Jahr 2006 von Ericsson übernommen wurde.



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Mathias B., Rostock
„Gerade in der jetzigen Zeit, die geprägt ist von regelmäßigen Umstrukturierungen, ist es wichtig, die Stärke der Kolleginnen und Kollegen zu bündeln. Denn nur gemeinsam kann man etwas bewirken. Deshalb bin ich ver.di-Mitglied."