Newsletter vom 21.01.2008

Fachkräftemangel hausgemacht

Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) weist nach einer jüngst in Auftrag gegebenen Studie darauf hin, dass der aktuell viel beklagte Fachkräftemangel in Deutschland durch die Personalpolitik der Unternehmen wesentlich mitverschuldet sei. Es finde keine Personalentwicklung statt, so der VDI, auch die Weiterbildung liege mit zu wenigen und zum Teil ungeeigneten Angeboten im Argen. Dies betreffe vor allem den Mittelstand, erklärte VDI-Direktor Willi Fuchs, hier werde die Personalentwicklung größtenteils "dem Zufall überlassen". Und dies, obwohl gerade diese Unternehmen am meisten unter dem Mangel zu leiden hätten, so Fuchs. Für die Weiterqualifikation muss nach seiner Meinung "mindestens fünf Prozent der Arbeitszeit" aufgewendet werden. Derzeit fehlen laut VDI in Deutschland 25.000 Ingenieure.

Mitarbeiter wollen gelobt werden

Europaweit leiden Mitarbeiter hauptsächlich an der mangelnden Anerkennung durch ihre Vorgesetzten. In einer Online-Umfrage des Job-Portals Monster nannten 31 Prozent die Geringschätzung ihrer Arbeit als den Punkt, der sie an ihrem Job am meisten störe. Fast ebenso viele haben das Gefühl "beruflich auf der Stelle zu treten" (27 Prozent). "Zuviel Arbeit" beklagten 17 Prozent, Ärger über ihren Vorgesetzten 14 Prozent, unliebsame Kollegen 11 Prozent. An der Umfrage beteiligten sich mehr als 13.000 Angestellte in 16 europäischen Ländern.

Nokia beendet Produktion in Deutschland

Der finnische Hersteller Nokia hat mit seiner überraschenden Ankündigung, zur Jahresmitte seine Handy-Fabrik in Bochum zu schließen, bittere Kommentare und zum Teil harsche Reaktionen ausgelöst. Betroffen von der Werksschließung sind alle 2300 Mitarbeiter sowie nach Angaben der IG Metall rund 1000 Leiharbeiter plus möglicherweise 1000 Arbeitsplätze bei Zulieferern sowie wahrscheinlich 200 Jobs bei der Post-Tochter DHL. Die Produktion in Deutschland komme zu teuer, heißt es von Seiten der Firmenleitung. Daher soll noch in diesem Quartal ersatzweise ein neues Werk in Rumänien die Arbeit aufnehmen. Rund um dieses Werk entsteht laut Nokia eine Art "Dorf" aus Zulieferern, ein "Nokia Village". Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers nannte Nokia eine "Subventionsheuschrecke" und will nun prüfen, ob damals gegebene Landesgelder zurückverlangt werden können. Denn auch der neue Standort in Rumänien wird möglicherweise, zumindest indirekt, durch EU-Beihilfen gesponsert. Die IG Metall verurteilte die auf dem Rücken der Menschen ausgelebte "Gewinnsucht" des Konzerns, denn das Werk arbeite profitabel. Der DGB rief zum Boykott von Nokia-Handys auf und die Bundespolitiker Struck und Seehofer kündigten öffentlich an, sich von ihren Geräten trennen zu wollen. Bochums Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz und weitere SPD-Politiker sprachen von einem "schlimmen Tag für Bochum und NRW". Damit ist nun im übrigen der letzte Hersteller von Handys aus Deutschland verschwunden, wie der Branchenverband BITKOM bedauernd feststellte. Am Wochenende sollten nach anfänglicher Weigerung des Konzerns nun doch noch Gespräche mit Bundes- und Landesregierungsvertretern zur Rettung des Werks oder wenigstens von Teilen davon stattfinden.

Canon will in Gießen schließen

Der japanische Hersteller Canon "muss", wie ein Unternehmenssprecher sagte, die Produktion von Kopiergeräten in Deutschland aus Kostengründen aufgeben. Der Preiskampf in dieser Produktsparte sei einfach zu hart, um den teuren Standort aufrecht zu erhalten. In der 1972 eingerichteten, einst als hochmodern gepriesenen Fabrik in Gießen arbeiten derzeit 400 Menschen, 250 müssen entlassen werden, wie es heißt. Sie sollen durch einen Sozialplan aufgefangen werden. Die restlichen Mitarbeiter werden sich auf Service und Support konzentrieren.

32.000 und 4.000: Stellenabbau und Einstellungen bei der Telekom

Zurzeit läuft bei der Telekom noch der Ende 2005 begonnene Abbau von 32.000 Stellen. Nun soll es auch wieder Einstellungen geben. Laut einer Pressemitteilung vom 18. Januar 2008 setzt das Unternehmen im Zuge einer längerfristigen Personalentwicklung verstärkt auf die Einstellung von Nachwuchskräften und Experten mit Berufserfahrung. So will das Unternehmen - vor dem Hintergrund der Geschäftsperspektiven in 2008 - rund 4.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter neu gewinnen. Die Einsatzfelder erstrecken sich von Informationstechnologie (IT) über Hightech-Produktentwicklung, betriebswirtschaftliches Management bis zu Vertriebs- und Servicebereichen. Zusätzlich werden in diesem Jahr wiederum 3.800 neue Ausbildungsplätze in modernen Fachrichtungen angeboten.
Zur Sicherheit der neu geschaffenen Stellen machte die Telekom keine Angaben.

Webkrauts wollen es wissen

"Webkrauts" nennt sich eine Gruppe, die so genannte Webstandards für die Arbeit im und am Internet festlegen will. Unter dem Motto "Wir wollen es wissen!" wurde im Internet (www.webkrauts.de) eine Umfrage gestartet, die noch bis 18. Februar zugänglich ist. Angesprochen sind alle, die in irgendeiner Form, angestellt oder freiberuflich, bei Online-Projekten arbeiten, zum Beispiel Webdesigner, Projektmanager oder Online-Journalisten. Die Ergebnisse sollen im April veröffentlicht werden.

IT als Bremsklotz

Manager nehmen die IT-Abteilung in ihrem Unternehmen häufig eher als Bremsklotz denn als "Enabler" wahr. So lautet zumindest das Ergebnis einer Umfrage unter den Teilnehmern eines IT-Strategie-Forums der Schweizer Unternehmensberatung Boydak Management Consulting. Über 60 Prozent der befragten Top-Manager internationaler Großunternehmen gaben an, dass Unternehmensziele durch die IT eher nicht erreicht werden, lediglich 27 Prozent meinten, dass Projekte erleichtert werden. Um dies zu erreichen, müsse die IT allerdings frühzeitig in die Planung der Abläufe einbezogen werden, meinten die Befragten. Dies sei zu oft nicht der Fall.

Wenn Fachwissen in Rente geht

Wenn qualifizierte Fachkräfte sich aus dem Arbeitsleben verabschieden, verschwindet ihr Wissen mit ihnen. Nach einer Umfrage der Online-Jobbörse Stepstone halten nur 22 Prozent der Unternehmen den Kontakt zu ihren ehemaligen Top-Leuten, um weiter von deren Erfahrung zu profitieren. Ein falsches Verhalten angesichts des demografischen Wandels, meint man bei Stepstone und plädiert für ein generationsübergreifendes Wissensmanagement.

Der CIO - eine aussterbende Gattung

"Die IT-Abteilung ist tot, es lebe das Utility-Computing!", behauptet der amerikanische Buchautor Nicholas Carr in seinem neuen Werk "The Big Switch". Gemeint ist die angeblich bevorstehende Auflösung der IT-Abteilungen in Unternehmen und deren komplette Ablösung durch externe Dienstleister und Freiberufler. Anhand einiger prominenter Beispiele erläutert der Autor den Siegeszug standardisierter Anwendungen und der daraus resultierenden Personaleinsparungen in der Größenordnung mehrerer Millionen Menschen. Dasselbe Schicksal wie der IT-Verantwortliche sollen demnach im übrigen auch andere Wissensarbeiter erleiden, deren Leistungen sich extern einkaufen lassen, wie zum Beispiel Journalisten und Analysten. Bereits fünf Jahre zuvor hatte Carr mit dem Buch "IT doesn't matter" die Fachwelt schockiert, indem er die Dominanz der Informationstechnologie in den Unternehmen stark relativierte.



Der ICH BIN MEHR WERT-Newsletter im Abo
Bleiben Sie up-to-date und abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter für die IT-Branche und erhalten zweimal im Monat eine aktuelle Zusammenfassung über die aktuellen Entwicklungen.
Zur Anmeldung

©  ICH BIN MEHR WERT  ~  wegewerk> wwEdit CMS 2.8.7
Mathias B., Rostock
„Gerade in der jetzigen Zeit, die geprägt ist von regelmäßigen Umstrukturierungen, ist es wichtig, die Stärke der Kolleginnen und Kollegen zu bündeln. Denn nur gemeinsam kann man etwas bewirken. Deshalb bin ich ver.di-Mitglied."