Newsletter vom 15.10.2007
Noch mehr Kündigungen bei Nokia Siemens Networks?
Nach einem Bericht der FAZ will das vor kurzem durch Fusion entstandene deutsch-finnische Unternehmen Nokia Siemens Networks (NSN) weitere Stellen abbauen. Zu diesem Zweck sollen sich derzeit externe Berater im Haus umschauen. Schon bei der Gründung im April war verkündet worden, dass 9000 der insgesamt 60.000 Mitarbeiter gehen müssten. Über Umfang und Tragweite der aktuell möglicherweise zusätzlich geplanten Stelleneinsparungen gibt es allerdings keine Zahlen. Immerhin 235 Fachkräfte in München und Berlin sollen zu IBM wechseln, wie kürzlich durchsickerte.
T-Systems Mitarbeiter bangen um ihre Jobs
Bei der IT-Service-Tochter der Deutschen Telekom geht die akute Angst vor Kündigungen um. Wie das Handelsblatt berichtet, sollen 4800 T-Systems-Mitarbeiter der Sparte CSS (Computing Service und Solutions) aufgefordert worden sein, schriftliche Angaben zu ihrem Sozialstatus zu machen. Informationen der Zeitung zufolge will die Telekom in den kommenden zwei Jahren wohl jeden dritten Arbeitsplatz in den Bereichen Desktop-Service und Rechenzentren ins osteuropäische Ausland verlagern. ver.di kündigte heftigen Protest an.
Entsorgte Volksfürsorge
Die beschlossene Fusion der Unternehmenstöchter Volksfürsorge (in Hamburg) und Generali (in München) unter dem Dach der Muttergesellschaft AMB Generali wird nach Angaben des Vorstands wohl zwischen 400 und 500 Arbeitsplätzen kosten. Insgesamt sind an den Standorten beider Versicherungsfirmen 3500 Mitarbeiter beschäftigt. Der Name Volksfürsorge wird damit spätestens 2009 Geschichte. Der bis 2010 projektierte Stellenabbau solle ohne Kündigungen auskommen, sagte Vorstandssprecher Dietmar Meister. Festlegen wolle er sich darauf aber nicht. Mitarbeiter und ver.di. kündigten ihren Widerstand an.
Stellenstreichungen bei der WestLB?
Die WestLB will möglicherweise mit einer anderen Landesbank fusionieren und bereitet aus diesem Grund schon einmal 600 Kündigungen vor. Das will zumindest das Wall Street Journal herausbekommen haben. Schlanke Bräute sind nun einmal begehrter, das gilt auch für Unternehmen und ihren „Ballast“ an Mitarbeitern. Offiziell ist hierzu natürlich keine Bestätigung zu erhalten. Immerhin wäre das jeder zehnte Arbeitsplatz bei der WestLB. Tatsache ist aber, wie überall zu lesen war, dass sich die Bank heftig verspekuliert und dabei 170 Millionen Euro verloren hat. Als potentieller Kaufinteressent gilt unter anderem die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).
IT-Ausbildung: Befragte fühlen sich allein gelassen
Auszubildende in den Bereichen IT-Systeme, Fachinformatik und Elektronik fühlen sich oft schlecht angeleitet und im Stich gelassen. Dafür werden sie aber bei Pannen gern und schnell zur Verantwortung gezogen. So lauten die Ergebnisse eines Reports des DGB zur Situation der Berufsausbildung in verschiedenen Sparten und Branchen. Noch im Report des vergangenen Jahres zählten IT-Auszubildende zu den zufriedensten jungen Leuten, nun belegen sie auf dieser Skala die letzten Plätze. Die Autoren der Studie führen dies auf die heftigen Personaleinsparungen der letzten Zeit in den Hightech-Branchen zurück.
Entlassungen kommen Motorola teuer zu stehen
Die Anfang des Jahres beschlossene Entlassung von 4100 Mitarbeitern weltweit kostete den Handy-Hersteller nach eigenen Angaben 221 Millionen US-Dollar, weitere 83 Millionen Dollar an Sonderausgaben wurden zudem in Deutschland für rund 1000 Kündigungen fällig. Die jetzt bekannt gewordenen Zahlen betreffen unter anderem die im Sommer getroffene Entscheidung, die Handy-Fertigung und Logistik in Flensburg komplett aufzugeben. Deutschland sei zu teuer und Flensburg zu abgelegen, hatte der Konzern damals sinngemäß argumentiert.
Sparkasseninformatik: Schlichtung und Friedenspflicht
In dem nun schon 19 Wochen andauernden Konflikt zwischen dem Unternehmen Sparkasseninformatik und ver.di ist eine Schlichtung in Kraft getreten, nachdem man sich nicht auf einen Tarifsozialplan einigen konnte. Die Beschäftigten wehren sich gegen Pläne des Unternehmens, den Standort Mainz mit 150 Mitarbeiten zu schließen und diese Arbeitsplätze nach Frankfurt oder Stuttgart zu verlagern. Die Streiks werden nun vorerst ausgesetzt. Bis zum 12. Oktober herrscht „Friedenspflicht“.
Outsourcing 1: Commerzbank lagert Rechner und Mitarbeiter aus
Der Computerhersteller HP übernimmt die Hardware der Commerzbank, konkret das Management von 33.000 PCs und 12.000 Druckern, die dazugehörenden IT-Dienstleistungen und das e-Mail-System. Der Millionendeal betrifft den laufenden Betrieb ebenso wie das so genannte Lifecycle-Management, also den rechtzeitigen Austausch und die Modernisierung der Systeme, vorerst mal vertraglich festgeschrieben für fünf Jahre. Ferner übernimmt der zum Service-Anbieter gereifte Hardware-Produzent 100 IT-Fachkräfte der Commerzbank. (Anmerkung des Verfassers: Ob sie wohl wirklich Bock haben, den neuen Gärtner im vertrauten IT-Park zu unterstützen?)
Outsourcing 2: Dresdner Bank lagert Application Management aus
Die Dresdner Bank lässt einen Teil ihrer Applikationen im Privat- und Firmenkundengeschäft in Zukunft von einem Dienstleister managen. Immerhin übernimmt Atos Origin die 200 IT-Experten der Dresdner Bank in ein so genanntes Competence Center Financial Services – für zunächst sieben Jahre. Wem nützt es? Die Bank werde durch diese Form der Zusammenarbeit schneller, effizienter und flexibler, heißt es von Seiten des Vorstands dazu.
Informationsflut überfordert Manager
Entscheider in Unternehmen haben – nicht zuletzt dank immer ausgefeilterer IT – zwar alle Informationen, die sie für ihr Geschäft benötigen, sind aber offensichtlich mit der sinnvollen Auswahl und Interpretation dieser Daten zunehmend überfordert. Das behauptet zumindest die östereichische Unternehmensberatung Beratergruppe Neuwaldeck in ihrem „Top Management Survey 2007“. Befragt wurden 300 Manager in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Interessanterweise tun sich Männer schwerer mit der Interpretation aller über sie hereinbrechenden Businessdaten als Frauen, so die Studie: 56 Prozent der männlichen Entscheider finden dies schwierig, hingegen „nur“ 44 Prozent der Kolleginnen in der Führungsetage. Immerhin ein Drittel der Befragten gibt zu, Entscheidungen eher aus dem Bauch heraus („spontan“) zu treffen, davon tendenziell mehr Frauen. Vielleicht seien Frauen aber auch nur ehrlicher bzw. realistischer in ihrer Selbsteinschätzung, mutmaßen die Autoren. Nur zwei Prozent der Befragten beklagten sich über fehlerhafte Informationen, 14 Prozent über fehlende Daten. Damit erscheint die schiere Menge an Informationen das eindeutig größere Problem darzustellen.