Newsletter vom 01.10.2007

IT-Fachkräfte sind gesucht, verdienen aber nur moderat

Im Rahmen der wiederbelebten Konjunktur sind IT-Führungskräfte zwar wieder gesucht, aber in den Gehältern schlägt sich das nur bedingt wieder. Sie steigen um durchschnittlich 2,5 Prozent, lautet das Ergebnis einer Studie des Beratungsunternehmens Personalmarkt, entstanden im Auftrag der Zeitschrift Computerwoche. Analysiert wurden knapp 9000 Gehaltsdaten, je ungefähr zur Hälfte aus Anbieter-Unternehmen der IT- und TK-Branche einerseits sowie IT- und TK-Anwendern andererseits. Die höchsten Gehälter werden demnach zudem in Frankfurt bezahlt, unterdurchschnittlich gezahlt wird nach wie vor in Berlin.

Unzureichende IT-Schulung in Unternehmen

Jeder dritte Mitarbeiter in deutschen Unternehmen wünscht sich mehr Fortbildung in Sachen IT, bekommt sie aber anscheinend nicht. So lautet das Ergebnis einer Befragung von 18.500 Arbeitnehmern, durchgeführt von der technischen Universität München in Zusammenarbeit mit dem IT-Wirtschaftsmagazin CIO. 25 Prozent konnten keine Angaben zu IT-Schulungsangeboten in ihrem Unternehmen machen, 30 Prozent wussten zudem auch nichts von Fortbildungsmaßnahmen zum Thema IT-Sicherheit.

IBM 1: Vorläufiges Verhandlungsergebnis bei Tarifrunde bei IBM in Deutschland

Nach einem Verhandlungsmarathon wurde am 25. September in den frühen Morgenstunden ein vorläufiges Ergebnis in den Tarifverhandlungen bei IBM erzielt.
Die Beschäftigten von IBM in Deutschland erhalten rückwirkend vom 1. Juni 2007 an 3,4 Prozent mehr Gehalt sowie eine Einmalzahlung in Höhe von 200 Euro. Der von IBM ursprünglich gekündigte Tarifvertrag über "betriebliche Sonderzahlungen" soll rückwirkend zum 1. Januar 2007 in veränderter Form wieder in Kraft gesetzt werden. Damit erhalten alle Bezugsberechtigten eine garantierte Jahressonderzahlung in Höhe von 1.250 Euro. Der Altersteilzeittarifvertrag wurde um ein Jahr bis zum 31. Dezember 2008 verlängert. Zudem habe sich ver.di mit der Forderung durchgesetzt, ab 2008 die Anzahl der Ausbildungsplätze für Studierende von derzeit 180 auf insgesamt 300 pro Jahr erhöhen. Die Laufzeit des Tarifvertrags beträgt zwölf Monate.
Das Ergebnis muss noch durch die ver.di-Gremien bestätigt werden.
Weitere Informationen über den Verlauf der Verhandlungen unter: ibm-tarif-update.ich-bin-mehr-wert.de

IBM 2: Realer Erfolg des virtuellen Protests gegen IBM Italien

Mehr als 1.850 reale Menschen aus über 30 Ländern zeigten am 27. September 2007 virtuell ihre Solidarität mit den Beschäftigten von IBM in Italien. Ihnen will das Unternehmen die Gewinnbeteiligung von rund 1.000 Euro im Jahr streichen. Schauplatz des Protests waren sieben IBM-Auftritte in der Internet-Plattform "Second Life", vor allem "IBM Italia" und das "IBM Business Centre". Offiziell reagierte IBM zwar nicht auf die Aktion, doch schloss das Unternehmen Teile seines "Business Centre" für Besucher/innen. Am Nachmittag gelang es, ein IBM-Arbeitstreffen in "Second Life" so zu stören, dass es abgebrochen werden musste.
Mehr Informationen dazu beim Gewerkschaftsdachverband UNI unter:
http://www.union-network.org/uniwebmasters.nsf/
slibm?openform


Sicherheitsspezialisten sind rar

Versierte Fachleute im Kampf gegen Hacking, Spam und Spionage sind derzeit Mangelware, und dies behindert möglicherweise sogar den Aufschwung in der IT-Sicherheitsbranche, berichtet die Computerwoche in ihrer aktuellen Ausgabe. Sie bezieht sich dabei unter anderem auf eine Studie des Marktforschungsunternehmens IDC, der zufolge die Nachfrage entsprechender Unternehmen bis zum Jahr 2010 von 1,4 auf 2 Millionen benötigte Mitarbeiter wachsen soll. Allerdings wachsen zugleich auch die Ansprüche an mögliche Bewerber: Perfektes technisches und betriebswirtschaftliches Know-how sowie ebensolches Englisch sind lediglich die Grundanforderungen, darüber hinaus erwarten Arbeitgeber wie etwa der im Artikel zitierte Hersteller von Antivirenprogrammen, Avira, intime Kenntnisse der Gegenseite, sprich der technischen Methoden von kriminellen Schadsoftwareherstellern. Zusätzlich sei mit Abwerbeversuchen aus anderen Branchen, etwa Banken oder Versicherungen zu rechnen, so die allgemeine Einschätzung. Und natürlich mit steigenden Gehältern.

Software überprüft e-Mails von Mitarbeitern

Es sollte hinlänglich bekannt sein: Beim ungeschützten Verkehr via e-Mail lesen der Admin und gegebenenfalls der Chef gerne mit. Eine von der Firma Kroll Ontrack vorgestellte Software soll die elektronische Post systematisch durchforsten und dabei vor allem nach rechtlich relevanten Sachverhalten forschen - dies mit dem erklärten Ziel, Beweismittel zu erstellen. Mit Ontrack Firstview, so der Name des Schnüffelprogramms, lässt sich der Informationsfluss in einem Unternehmen detailliert nach allen möglichen Wünschen recherchieren und auswerten, so der Hersteller.

EADS will Airbus-Werke abstoßen

Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung hat der EADS-Konzern beschlossen, die Airbus-Fabrikationsstätten in Augsburg, Varel und Nordenham als Paket zu verkaufen. Verhandlungen mit potentiellen Käufern würden bereits geführt. Im Gespräch sind demnach unter anderem der US-Konzern Spirit Aerosystems, das deutsche Maschinenbauunternehmen Voith und MT Aerospace. Die Gewerkschaften würden den gemeinsamen Verkauf der drei Werke mit insgesamt 6000 Beschäftigten im Interesse des Arbeitsplatzerhalts mittragen, heißt es.

Frattini für Blue Card, Müntefering und Glos dagegen

EU-Innenkommissar Franco Frattini hat kürzlich eine "Blue Card" für ausländische Fachkräfte innerhalb der EU vorgeschlagen, Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) ist nach einem Bericht der FAZ vehement dagegen. Auch Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) wandte sich - in einem Gespräch mit Spiegel online - gegen eine befristete Arbeitsgenehmigung nach dem Vorbild der US-amerikanischen "Green Card", mit den Worten, man solle "nicht massenhaft ausländische Arbeitnehmer holen, nur weil wir sie im Moment gerade einmal brauchen". Nach Meinung des EU-Kommissars wandern indessen hochkarätige Fachleute in die USA ab, während ein Heer von unqualifizierten Arbeitskräften in die EU dränge. Diesen Trend wolle er umkehren.

Schüler brauchen mehr Informatik

Der IT-Branchenverband BITKOM und die Gesellschaft für Informatik fordern eine deutliche Ausweitung des Informatik-Unterrichts an den Gymnasien. Das Fach solle naturwissenschaftlichen Fächern wie Chemie oder Physik gleichgestellt werden, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. Spätestens bis zur zehnten Klasse müssten demnach die wichtigsten Grundkenntnisse der Computertechnologie vermittelt worden sein. "Die Informatik bildet die technologische Basis der Informations- und Wissensgesellschaft", lässt sich Professor August-Wilhelm Scheer, Präsident des BITKOM und Inhaber des Software-Unternehmens IDS Scheer, in dem "an Öffentlichkeit und Entscheidungsträger" gerichteten Aufruf zitieren.

Bildung tut not, stand im OECD-Bericht

Der aktuelle OECD Bildungsbericht stellt Deutschland ein schlechtes Zeugnis aus: Zu wenige junge Menschen machten Abitur oder würden gar studieren, um die in den kommenden Jahren im großen Stil durch Verrentung frei werdenden Arbeitsplätze, insbesondere für Ingenieure und ähnliche Fachkräfte, neu besetzen zu können. So stieg hierzulande die Anzahl der Studenten in den vergangenen zehn Jahren um fünf Prozent, in den meisten anderen Industrienationen sei sie aber um teilweise über 40 Prozent angestiegen, erklärt der Bericht. Auf 100 Ingenieure, die aus dem Arbeitsleben heraustreten, kämen derzeit nur 90 potentielle Nachwuchskräfte. Deutsche Politiker aller Abteilungen und Schattierungen versprachen nach Bekanntmachung des Berichts verschiedene, nicht näher spezifizierte Maßnahmen.

Bild proklamiert Vollbeschäftigung

Die deutsche Wirtschaft sucht angeblich 1,5 Millionen Mitarbeiter, so viele wie seit dem Jahr 2000 nicht mehr. Das berichtete zumindest die Bild Zeitung, aber nun steht es sogar im Spiegel online. Die Zahl stammt vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW). So stehe nun - rein rechnerisch versteht sich - in manchen Branchen jedem Arbeitssuchenden ein Arbeitsplatz zur Verfügung, sagen die Experten vom IW. Auch die so genannte Sockelarbeitslosigkeit könne nun endlich zurückgehen. Nach Schätzungen des Branchenverbands BITKOM sollen speziell in der IT-Branche 40.000 offene Stellen 30.000 arbeitslosen Fachkräften gegenüberstehen.



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Norbert S., Paderborn
„Gerade in der IT-Branche müssen wir unsere ganze Kraft daran setzen, zukunftsfähige Geschäftsideen zu generieren, aber auch sie mit sozialer Verantwortung in Einklang zu bringen. Darum bin ich ver.di-Mitglied".