Newsletter vom 17.09.2007

In eigener Sache: Tarifverhandlungen bei IBM werden auf ich-bin-mehr-wert.de mit einem Update begleitet.
Die Tarifverhandlungen bei IBM in Deutschland gehen in eine heiße Phase! Wie sehen die Positionen von Arbeitgeber und Arbeitnehmervertretern aus? Wie ist der aktuelle Stand der Verhandlungen?
Rolf Schmidt, der Verhandlungsführer von ver.di bei den Tarifverhandlungen mit IBM Deutschland, schreibt für ich-bin-mehr-wert.de Informationen, Eindrücke und Einschätzungen aus erster Hand. Lesen oder abonnieren Sie das IBM-Tarif-Update.
www.ibm-tarif-update.ich-bin-mehr-wert.de

Nochmal IBM: IBM-Beschäftigte in Italien wollen in "Second Life" virtuell gegen Lohnabbau streiken

Mit einem virtuellen Streik auf der Internet-Plattform "Second Life" wollen die Beschäftigten bei IBM in Italien sich gegen Lohnabbau wehren. Bei den Verhandlungen ihrer Gewerkschaft Rappresentenza Sindacale Unitaria (RSU) hatte das Unternehmen kurzerhand entschieden, die jährliche Gewinnbeteiligung von 1.000 Euro zu streichen. Mit der Hilfe des gewerkschaftlichen Dachverbands Union Network International (UNI) organisiert die Gewerkschaft nun den ersten virtuellen Streik - voraussichtlich vom 17. bis zum 30. September 2007. Bei UNI gibt es die Informationen und das Streikset dazu.
14.09.2007 Nähere Informationen und Hilfen bei UNI (englisch, italienisch, französisch und spanisch) unter: www.union-network.org/secondlife

IT-Freelancer verdienen wieder wie in alten Zeiten / Erfahrung sehr gefragt

Freiberuflich arbeitende IT-Spezialisten wittern Morgenluft bei den Honoraren. Mit 70 Euro pro Stunde soll nach einer Studie der IT-Personalagentur Gulp endlich wieder das durchschnittliche Niveau des Jahres 2003 erreicht sein. Jeder Vierte könne sogar mehr als 80 Euro fordern, freuen sich die Portalbetreiber. Zu Grunde liegt eine Auswertung der Daten von 60.000 bei Gulp eingetragenen Freiberuflern sowie von mehr als 400.000 Projekten, die über das spezialisierte Fachkräfte-Vermittlungsportal abgewickelt wurden. Es bleibt jedoch ein deutliches Gefälle in den Aufgabenfeldern bestehen: Administratoren nehmen laut Gulp durchschnittlich nur 55 Euro die Stunde, etwas besser stehen mit 63 Euro Software-Entwickler da. Am besten verdient wird zudem tendenziell im Frankfurter Raum, am schlechtesten generell in Ostdeutschland. Im übrigen erweist sich der Projektmarkt erfreulicherweise als eines der wenigen Reviere für "alte Hasen": Fast 40 Prozent aller Anfragen gehen der Auswertung zufolge an Freelancer, die schon länger als 20 Jahre in der IT-Branche arbeiten. Zugleich hat sich die Altersstruktur der IT-Freiberufler deutlich nach hinten verschoben: Über 60 Prozent von ihnen sind älter als 40, 18 Prozent sogar über 50 Jahre alt.

IT-Spezialisten bleiben gefragte Leute

Im Jahr 2008 werden deutlich mehr Stellen für IT-Fachleute angeboten als im Jahr zuvor. Dies berichtet der Personaldienstleister Adecco (in der Zeitschrift Computerwoche). Nach einer Zählung der Stellenangebote in mehr als 40 Zeitungen von Anfang des Jahres bis Ende August betrage der Zuwachs satte 20 Prozent - von 16.300 auf 19.440 ausgeschriebene Stellen. Gefragt seien vor allem IT-Spezialisten für Beratungs- und Softwarehäuser sowie im Maschinenbau und der Fahrzeugtechnik. Auch der Öffentliche Dienst, Unternehmen der Elektrotechnik und Finanzdienstleister hätten wieder verstärkt nach Personal gesucht, heißt es. Für junge Leute mag das wohl heißen: Ganz schnell zu Ende studieren (siehe auch unsere letzte Meldung). Die Regierung plant unterdessen eine Erleichterung der Zuwanderung von Arbeitskräften in diesem Bereich.

Unstete IT-Chefs: Drei Jahre sind genug

CIOs bleiben im Durchschnitt nur drei Jahre in einem Unternehmen, dann ziehen sie weiter. Das ist das Ergebnis einer Studie des britischen Marktforschungsunternehmens Populus. Schuld an der hohen Fluktuation sei der extreme Erfolgsdruck, unter dem IT-Chefs ihre jeweils neuen Jobs antreten müssten, mutmaßen die Autoren. Bereits nach den berühmten 100 Tagen müssten wichtige Projekte sichtbar werden, sonst leide die Reputation gegenüber den Vorgesetzten. Gerade komplexe Maßnahmen bräuchten aber viel mehr Zeit, um sichtbare Erfolge zu zeigen. Das gehe auf Kosten der Nachhaltigkeit, monieren die Forscher.

Die Betriebsrente im Personalgespräch

Wer seinen Arbeitsplatz aufgibt (oder aufgeben muss) verzichtet damit gewöhnlich auch auf seine Betriebsrente. Einen neuen Trend hierzu will das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) beobachtet haben. Erstmals würden wieder mehr Arbeitnehmer "freiwillig" ihren Arbeitgeber wechseln, damit seien neue Konzepte zur betrieblichen Altersversorgung gefragt. Schließlich sollten Ansprüche idealer Weise bei einem Wechsel übertragbar sein, meinen die Forscher. Aber nicht zuletzt könne die Aussicht auf eine Betriebsrente auch ein Argument sein, um Mitarbeiter zu halten. So ändern sich die Zeiten. Und Märkte: Die Deutsche Gesellschaft für betriebliche Altersversorgung (DGbAV) hat sich laut Eigenwerbung darauf spezialisiert, Arbeitnehmern bei der Übertragung ihrer Ansprüche zu helfen und zu diesem Zweck Verträge mit zahlreichen, hauptsächlich mittelständischen, Unternehmen geschlossen. Die Weiterführung der bestehenden Veträge beim neuen Arbeitgeber koste den Arbeitnehmer "pro Monat weniger als ein Bier", so das Unternehmen.

Sparkassen-Informatik und ver.di verhandeln Sozialplan

Nachdem die geplanten Umstrukturierungsmaßnahmen bei der Sparkassen-Informatik in der vergangenen Woche (wie bereits in einem früheren Newsletter berichtet) zu Arbeitsniederlegungen in Mainz, Duisburg, Köln und Karlsruhe geführt hatten, ringen Geschäftsführung und Gewerkschaft (ver.di) nun um einen Sozialplan für die von einer Standortschließung betroffenen 1400 der insgesamt 3400 Mitarbeiter des IT-Dienstleisters. Verhandlungen hierüber sollen laut ver.di in Kürze aufgenommen werden. Einen zuvor geforderten Kündigungsschutz bis 2017 hatte der Arbeitgeber strikt abgelehnt.

Wieder Streik bei der Telekom?


Die geplante Ausgründung der Geschäftskundensparte T-Systems aus der Telekom wird von ver.di kritisch beobachtet. In einem Gespräch mit "Euro am Sonntag" kündigte der ver.di-Bundesvorstand Lothar Schröder Kampfbereitschaft an: "Wenn die Telekom bei T-Systems mit der gleichen Rigorosität vorgeht, wie sie das bei T-Service getan hat, werden wir auch mit der gleichen Härte antworten." Damals war bereits wochenlang gestreikt worden, nun könnte es schnell wieder soweit sein. In Sorge um die Zukunft von 18.000 Mitarbeitern, die unter ein neues Firmendach ziehen sollen, verlangt ver.di sichere Arbeitsplätze und den Erhalt der bisherigen Konditionen.

Ingenieure verzweifelt gesucht? Dabei wären sie doch zu finden

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sieht derzeit keinen dramatischen Mangel an Ingenieuren. Beispielsweise im August, so die letzten Zahlen, sei der Arbeitsmarkt für Ingenieure "keineswegs leer geräumt" gewesen, so das Institut in einer aktuellen Stellungnahme. Angesichts von immerhin 24.147 Arbeitslosen, ein Grossteil davon ältere Arbeitnehmer und Frauen, könne also allenfalls von einem "Mangel an jungen männlichen Ingenieuren bestimmter Fachrichtungen" die Rede sein. Auch das Szenario eines gefährdeten Bruttoinlandsprodukts, wie es etwa unlängst das (arbeitgebernahe) Institut der deutschen Wirtschaft angesichts des angeblichen Ingenieursmangels an die Wand gemalt hatte, ist nach Ansicht der Arbeitsmarktforscher vom IAB völlig überzogen. Schließlich gebe es ja noch die Möglichkeit, Spitzenlasten durch Überstunden oder Subunternehmer aufzufangen, heißt es, wenn auch in diesem Punkt wenig arbeitnehmerfreundlich. Für die Zukunft allerdings sieht sogar das IAB dunkle Wolken heraufziehen: "Der künftige Ingenieurmangel erfordert ein breites Bündel an Maßnahmen, (...) vor allem eine neue Bildungsexpansion", mahnen die Forscher. Das deutsche Bildungssystem produziere es zu wenig Abiturienten, von denen zudem viel zu wenige anschließend ein Studium aufnähmen - und von diesen wiederum entschieden sich zu wenige für ein technisches Fach. Besonders Kinder aus "bildungsschwachen" Elternhäusern müssten gefördert und gezielt zum Studium ermutigt werden, so ein weiteres Resümée der IAB-Leute.

Wunsch-Arbeitgeber SAP - Geld und Komfort bei Studenten hoch im Kurs

Unter Informatikstudenten steht das Walldorfer Software-Unternehmen SAP als potenzieller Arbeitgeber besonders hoch im Kurs, laut einem aktuellen Ranking sogar vor Top-Konzernen wie IBM (Platz 3), Siemens (Platz 4) oder BMW (Platz 5). So lautet zumindest das Ergebnis einer Studie des Berliner Trendence Instituts mit 4900 Teilnehmern. Auf Platz 2 befindet sich Aufsteiger Google, auf den Plätzen 14 und 16 der Bundesnachrichtendienst und EADS. Aspekte wie das Image des Unternehmens oder ein spannendes Arbeitsgebiet stehen also oben auf dem Wunschzettel für den beruflichen Einstieg. Hinzu kommt das Gehaltsgefüge: Mehr als die Hälfte der Befragten schielt auf ein möglichst hohes Einstiegsgehalt: 42.600 Euro sollen es demnach schon sein - auch das lässt sin in großen Unternehmen leichter realisieren. Angesichts der aktuellen Diskussionen um einen möglichen Fachkräftemangel sei das Selbstbewusstsein zumindest unter den Informatikstudenten gegenüber den Vorjahren deutlich gestiegen, heißt es in der Studie. Zudem ziehe es nun wieder weniger Absolventen ins Ausland. Weibliche Informatikstudenten sehen ihren Marktwert trotz Marktbelebung geringer: Sie geben sich laut Studie mit weniger Geld (39.800 Euro) zufrieden und rechnen außerdem damit, mehr (erfolglose) Bewerbungen abschicken zu müssen als ihre Kommilitonen.



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Tobias F., Trier
„Ich bin Student und engagiere mich in InternetCommunity-Projekten mit dem Ziel der Verbesserung sozialer Strukturen und Zusammenarbeit. Darum weiß ich, dass man gemeinsam mehr erreichen kann als als einzelner. Darum bin ich ver.di-Mitglied."