Newsletter vom 03.09.2007

Studie: IT-Projektmarkt boomt

Der IT-Projektmarkt boomt derzeit wie lange nicht. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse des Freelancer-Portals Gulp, auf dem Unternehmen Aufträge für Freiberufler ausschreiben können. Der Analyse zufolge sind externe IT-Spezialisten aktuell "gefragt wie nie". So wurden im ersten Halbjahr 2007 über 54.000 Projekte vermittelt. Das entspricht einem Plus von 36 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (40.000 Projekte). Einige von ihnen so stark, dass es in bestimmten Bereichen bereits schwierig ist, verfügbare Experten zu finden.
Im Schnitt wurden dieses Jahr monatlich bei Gulp 9.158 Anfragen abgewickelt. Im vergangenen Jahr lag dieser Mittelwert noch bei 7.148 Anfragen. Die meisten Angebote davon (49 Prozent) richteten sich an externe Software-Entwickler und Programmierer. Bei einem Viertel aller Projekte (23 Prozent) waren Berater gesucht. Im Vergleich zum Vorjahr ist speziell die Nachfrage nach Beratern gestiegen, aber auch der Bedarf an Administratoren hat leicht zugenommen. Den größten Bedarf an externen IT-Spezialisten gab es in Bayern sowie Frankfurt am Main: Jede fünfte Projektanfrage stammte aus einer dieser beiden Regionen, womit laut Gulp beide Gebiete ihre Position als "Ballungszentren des IT-Projektmarkts" bestätigen konnten. Der Großteil der angefragten IT-Freelancer (83 Prozent) ist bereits seit mehr als einem Jahrzehnt in der IT-Branche tätig. Jeder Dritte ist sogar bereits über 20 Jahre im Geschäft. Im Schnitt verlangten die kontaktierten Freiberufler für ihre Dienste 71 Euro pro Stunde.

Online-Überwachung in Deutschland

Die Debatte Online-Überwachung und den Bundes-Trojaner ist nach der Veröffentlichung eines Fragenkataloges der SPD-Bundestagsfraktion an das Bundesinnenministerium neu entbrannt. Spiegel-Online meldete daraufhin "Bundes-Trojaner sind spähbereit". Entwicklung und Einsatz von Software zur Online-Überwachung sind umstritten, da dies einen wesentlichen Eingriff in die Grundrechten bedeuten kann.
Der Fragenkatalog ist auf netzpolitik.org in vollem Umfang veröffentlicht:
http://netzpolitik.org/wp-upload
/fragen-onlinedurchsuchung-SPD.pdf
Der Chaos Computer Club (CCC) veröffentlichte derweil den Gesetzentwurf "Abwehr von Gefahren des internationalen Terrorismus durch das Bundeskriminalamt" des Bundesinnenministeriums in dem auch die Online-Überwachung neu geregelt werden soll. Der CCC warnt davor, dem Gesetz auch nur in Teilen zuzustimmen. "Wenn das BKA-Gesetz in der vorliegenden Fassung verabschiedet wird", so der CCC, "entsteht de facto eine Geheimpolizei, wie sie in Deutschland zuletzt in der DDR existierte."
Zum Bericht auf den Seiten des CCC: http://www.ccc.de/updates/2007/bkaterror?language=de

Online-Überwachung in China

Auch in China wird die Online-Überwachung intensiviert. Hier allerdings mit anderen Mitteln: Manga-Cops, Comic-Polizisten, erscheinen auf dem Bildschirm chinesischer Surferinnen und Surfer um diese daran zu erinnern, dass Chinas Behörden, das Web kontrollieren. Unter besonderer Beobachtung stehen Porno-Seiten, Online-Spielhallen und politisch auffällige Angebote. Mit einem Klick auf die Pixelpolizisten geht es per Link auf eine Seite der chinesischen Polizei, auf der verdächtiges Treiben von den Nutzerinnen und Nutzern gemeldet werden kann.

BITKOM fordert leichtere Zuwanderung

Angesichts des immer größer werdenden Fachkräftemangels fordert der Branchenverband BITKOM, mehr Zuwanderer zuzulassen. Im IT-Sektor sind nach Erhebungen des Verbands 25.000 bis 28.000 Stellen unbesetzt, in den Anwenderbranchen würden noch einmal 10.000 mehr Fachkräfte benötigt. BITKOM-Präsident August-Wilhelm Scheer verlangte von der Politik, die Einkommensgrenze von 85.000 Euro zu halbieren und die Arbeitsmöglichkeiten für diejenigen Studenten zu erleichtern, die in Deutschland ihren Abschluss gemacht hätten. Die wichtigsten Kriterien zur gesteuerten Zulassung ausländischer Fachkräfte sollten Qualifikation, Sprachkenntnisse und Alter sein.
Eine Studie des Bundeswirtschaftsministeriums bestätigt indes den Fachkräftemangel. Nach dieser Studie, von der die Süddeutsche Zeitung berichtet, fehlen 2014 bundesweit 95.000 Ingenieure und 135.000 Naturwissenschaftler. 20 Milliarden Euro oder rund ein Prozent des Bruttoinlandproduktes des Jahres 2007 würde der Ausfall ausmachen.
Mehr Infos unter:
http://www.bitkom.org/de/presse/8477_47713.aspx

Mehr Abschlüsse in Informatik

Im Jahr 2006 haben 13 Prozent mehr Absolventen der Informatik die Unis verlassen als im Jahr zuvor. In Informatik wurde mit 15.400 Abschlüssen ein Höchststand der Absolventen erreicht. Das hat das Statistische Bundesamt in Wiesbaden ermittelt. Allerdings: Ein Großteil der Studenten, die jetzt einen Job suchen, ist männlich. Nur 17 Prozent der Absolventen sind Frauen. Zum Vergleich: Bei den Naturwissenschaften liegt die Frauenquote bei 39 Prozent, bei Mathematik sogar bei 54 Prozent.

Unternehmen investieren verstärkt in E-Business

Über ein Drittel der deutschen Unternehmen will die Ausgaben für den elektronischen Geschäftsverkehr im laufenden Jahr aufstocken. Die Investitionsfelder sind in diesem Jahr insbesondere Kundenmanagementprogramme, IT-Sicherheitslösungen und Internetportale. 60 Prozent der befragten Unternehmen wollen im gleichen Umfang investieren wie im Vorjahr. Das ist das Ergebnis des 'EBusiness-Barometers 2007/2008', das von der Agentur Wegweiser veröffentlicht wurde. Für 57 Prozent hat das E-Business eine hohe oder gar sehr hohe Bedeutung, Besonders kleinere Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitern attestieren dem Internet einen höheren Einfluss auf ihr Geschäftsfeld - 13 Prozent stieg hier der Bedeutungsanteil.
Mehr dazu unter:
http://www.wegweiser.de/cps/wegweiser/home.php?
page=,51,0,00,58,00,00,2,58


ver.di: Mindestlöhne für die Telekombranche

Auch die Telekombranche soll - ähnlich der Postbranche - Mindestlöhne bekommen. Das forderte ver.di-Bundesvorstand Lothar Schröder im Gespräch mit der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. In Anbetracht der Entwicklungen sei dies nun erforderlich. Vor allem in den Callcentern würden einige Anbieter, die Billiglöhne zahlten, etablierte Firmen wie Telekom oder Vodafone D2 unterbieten. Wie hart der Wettbewerb ist, machte Schröder anhand der Telekom klar: Hier würden die Mitarbeiter der Festnetzsparte weniger Geld bekommen und müssten länger arbeiten. Er befürchtet weitere Einschnitte für die Beschäftigten, denn die Telekom-Chef Rene Obermann werde den Sparkurs fortsetzen. Beispielhaft sei die Postbranche, in der die Einführung von Mindestlöhnen Konkurrenz durch neue Anbieter abwehren könne. Schröder sprach sich außerdem für eine stärkere Deregulierung des Telekommarktes und gegen die Praxis der Europäischen Kommission zur strengeren Handhabung aus. Mit stärkerer Regelung würde die Telekom sich im Innovationswettbewerb nicht behaupten können und nicht mehr in den Ausbau der Netze investieren.

Motorola macht Logistik-Sparte dicht

Der Handyhersteller Motorola will offenbar seine Logistik-Sparte in Flensburg schließen. 700 Arbeitsplätze sind von der Schließung betroffen. Bitter ist dies auch für das Land Schleswig Holstein, denn das Wirtschaftsministerium hatte bis vor kurzem noch mit der Konzernzentrale über einen Verbleib verhandelt und hohe finanzielle Unterstützung in Aussicht gestellt. Seit 1994 sind bereits 24 Millionen Fördergelder in den Motorola-Standort geflossen. Außerdem betonte Flensburgs Oberbürgermeister Klaus Tscheuschner, dass Motorola erst vor kurzem eine dreijährige Standortgarantie abgegeben habe.

Sparkassen Informatik wird wieder bestreikt

Zu einem vierzehntägigen Streik hat ver.di die Angestellten der Sparkassen Informatik aufgerufen. Bis zum 3. September, 24 Uhr, laufen die Streikhandlungen dieses Mal. Ziel der Gewerkschaft ist es, einen Sozialtarifvertrag durchzusetzen. Der sieht unter anderem eine Festschreibung vor, dass betriebsbedingte Änderungskündigungen bis 2017 unterbleiben und dass ausreichende Qualifizierungsmaßnahmen angeboten werden. Weitere Ziele: Beschäftigungssicherung durch lange Kündigungsfristen, angemessene Abfindungen, Förderung von Telearbeit, adäquate Altersversorgung für alle Beschäftigten.

Telekom: Nochmal 3.000 Stellen auf der Kippe

Bei der Telekom müssen 3.000 Mitarbeiter der Kundenniederlassung Spezial um ihren Arbeitsplatz fürchten. Diese sollen in die Tochter Vivento Customer Services auslagern. Schon zum 1. September soll die Auslagerung der Abteilung, die Kundenbeschwerden der T-Com bearbeitet, erfolgen. Ver.di-Gewerkschaftssekretär Enrico Zemke sagte, dass die Mitarbeiter einen Ausverkauf befürchteten, denn das erklärte Ziel der Telekom sei der Verkauf von Vivento. 1.500 Beschäftigte haben Ende August in Leipzig gegen die Pläne demonstriert.



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Jelka T., Frankfurt
„Auch in der IT-Branche sind Menschen die wichtigste Ressource. Wenn alle zusammenarbeiten kann man viel erreichen. Die beste Plattform dafür ist eine starke Gewerkschaft. ver.di."