Newsletter vom 17.08.2007
Telekom will weitere 2.000 Stellen streichen
Die Telekom steht nach einem Bericht der Berliner Zeitung vor einem neuen drastischen Arbeitsplatzabbau. Der Konzern will demnach 2.000 der insgesamt 6.500 Stellen bis zum Jahr 2009 in seiner Bonner Unternehmenszentrale sowie in anderen zentralen Einrichtungen streichen. Das neues Sparprogramm von Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger würde fast jeder dritte Arbeitsplatz in dem Konzernbereich wegrationalisieren.
Offiziell will sich der Konzern über den Umfang der Pläne nicht äußern. Ein Telekom-Sprecher habe aber bekräftigt, dass sich die "Bemühungen zur Effizienzsteigerung" auch auf die Zentralen bezögen. Auch hier setze das Unternehmen auf "sozialverträgliche Maßnahmen". Nach Informationen der Berliner Zeitung ist von dem Personalabbau unter anderem der Bereich Telekom Training betroffen, der für die Aus- und Weiterbildung von Konzernmitarbeitern zuständig ist.
T-Systems und die Partnersuche
Schon seit sechs Monaten sucht die Deutschen Telekom nach einem Partner für das Großkundengeschäft von T-Systems. Das hinterlässt Spuren: Der Auftragseingang und Umsatz sind rückläufig, berichtet die Computerwoche. "Die Partnersuche lähmt T-Systems", warnte Thomas Reuner, Research Director beim Marktforschungshaus IDC in dem Beitrag der Computerwoche.
Als Reaktion will die Telekom nur noch für die Bereiche Systemintegration und Applikationsentwicklung eine Partnerschaft suchen.
Wechselwilligkeit der deutschen Fach- und Führungskräfte massiv zurückgegangen
Der Jobware-Karriereindex, der die Bereitschaft von Fach- und Führungskräften zum kurzfristigen Jobwechsel abbildet, ist gegenüber dem ersten Quartal des Jahres deutlich von 25 auf 15 Punkte eingebrochen. Dies ist das Ergebnis einer Repräsentativbefragung unter mehr als 2.500 Deutschen. Mittelfristig, sprich in den nächsten Jahren, strebt dagegen nahezu jede dritte Fach- oder Führungskraft (28 Prozent) in Deutschland einen Arbeitgeberwechsel an, doch das nützt den Unternehmen, die ganz aktuell mit Fachkräftemangel beispielsweise im Ingenieurwesen - zu kämpfen haben, eher wenig.
Die Bemühungen, qualifizierte Mitarbeiter mit einschlägiger Berufserfahrung zu finden, gestalten sich in vielen Berufsfeldern immer schwieriger, denn 63 Prozent der derzeit in Unternehmen tätigen Fach- und Führungskräfte wollen laut der Jobware-Befragung auf Dauer bei ihrem jetzigen Arbeitgeber bleiben.
Streik bei Sparkassen-Informatik geht weiter
Erstmals hat Verdi. Die Angestellten der Sparkassen-Informatik (SI) zu einem achttägig dauernden durchgehenden Streik aufgerufen. Die Sparkassen-Informatiker wehren sich mittlerweile in der dreizehnten Streikwoche gegen die Pläne der Geschäftsleitung, über die geplante Schließung der Standorte Karlsruhe, Köln, Duisburg und Mainz rund 700 Beschäftigte abzubauen und die Umsetzungen über eine erhebliche Anzahl von Änderungskündigungen durchzusetzen. Von den rund 3.400 Beschäftigten sind etwa 1.250 von den geplanten Standortschließungen betroffen. ver.di fordert bei der Sparkassen-Informatik den Ausschluss betriebsbedingter Änderungskündigungen bis 2017.
Elektronische Gesundheitskarte: 100.000er-Tests abgesagt
Nachdem über die Sommerferien in einigen Testregionen die 10.000er-Tests der elektronischen Gesundheitskarte (EGK) begonnen haben, wird jetzt das Tempo forciert. Laut einer Meldung der Zeitschrift C'T hat der für die eGK zuständige Staatssekretär Klaus Theo Schröder bekannt gegeben, dass nach Ansicht des Bundesgesundheitsministeriums keine 100.000er Test mehr notwendig seien. Aus den 10.000er-Test habe man sehr gute Zwischenergebnisse erhalten. Daher sei man davon überzeugt, dass direkt mit dem Rollout beziehungsweise der industriellen Massenproduktion der Komponenten begonnen werden kann, die die endgültige Zulassung durch die Projektgesellschaft gematik bekommen haben. Weil die Technik weitgehend stabil funktioniere, seien für die Kartenlesegeräte keine 100.000er Tests nötig. Auf diese Weise könne der allgemeine Rollout der Komponenten im zweiten Quartal 2008 erfolgen und die EGK wesentlich früher als geplant eingeführt werden.
Business Intelligence: Süddeutsche Firmen haben die Nase vorn
Die Unternehmen im Süden und Südwesten Deutschlands setzen gegenwärtig deutlich stärker auf Business Intelligence-Lösungen (BI) als Firmen in den anderen Regionen der Bundesrepublik. Schlusslicht ist in dem Ranking mit deutlichem Abstand der Osten. In der mittelfristigen Perspektive werden diese Unterschiede aber zunehmend geringer. Das hat eine aktuelle Studie ergeben.
Bundesweit hat etwas mehr als jedes zweite Unternehmen BI-Lösungen im Einsatz, wenngleich es deutliche regionale Unterschiede gibt. Spitzenreiter ist der Südwesten mit einem Anteil von 62 Prozent, gefolgt vom Süden mit 59 Prozent und den Firmen in der Mitte Deutschlands mit 54 Prozent. Die Betriebe im Westen entsprechen dem Mittelwert, während der Norden mit 47 Prozent deutlich darunter liegt. Besonders groß ist der Abstand der ostdeutschen Unternehmen mit einem Anteil von lediglich 38 Prozent. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Erhebung des Hamburger BI-Anbieters Novem Business Applications Relation Browser unter insgesamt 445 Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern.
IT-Branchenverband fordert rasche Korrektur der Hackerparagraphen
Der IT-Branchenverband Bitkom hält die in Kraft getretene Verschärfung des Computerstrafrechts nach wie vor für kontraproduktiv für die IT-Sicherheit. Der Verband wies darauf hin, dass mit den so genannten Hackerparagraphen eine "Kriminalisierung von Systemadministratoren, IT-Sicherheitsexperten und Software-Händlern" drohe. In der Praxis führe die neue Regelung zu einem Verbot von Spezialsoftware, die für die Entdeckung und Analyse von Sicherheitslücken in IT-Systemen notwendig sei. Im Zentrum der Proteste steht nach wie vor neue Paragraph 202C Strafgesetzbuch (StGB). Nach diesem soll künftig mit Geldstrafe oder Freiheitsentzug bis zu einem Jahr geahndet werden wer eine Straftat vorbereitet durch Herstellung, Beschaffung, Verkauf, Überlassung, Verbreitung oder Zugänglichmachen von Passwörtern oder sonstigen Sicherheitscodes für den Datenzugang sowie von geeigneten Computerprogrammen. Betroffen sind laut Rechtspolitikern im Bundestag allein Computerprogramme, die in erster Linie dafür ausgelegt oder hergestellt werden, um Computerstraftaten zu begehen.
Qimonda findet keine Ingenieure
Über zuwenig Nachwuchs klagt Qimonda-Chef Loh Kin Wah in einem Zeitungsinterview. Der Münchner Speicherchiphersteller kann 400 offene Stellen vor allem in Forschung und Entwicklung nicht besetzen, weil geeignete Arbeitskräfte fehlten. Das seien mehr als jede zehnte Ingenieurstelle der Firma. Qimonda will künftig stärker in öffentliche Forschung und Lehre investieren, um Fachkräfte früh zu binden, sagte Loh bei Abschluss eines Kooperationsvertrags mit der Technischen Universität München (TUM).
United Internet mit Gewinnsprung
Der Internetdienstleister United Internet hat im abgelaufenen Quartal sein Ergebnis gesteigert. Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) sei um 58,4 Prozent auf 95,4 Millionen Euro gewachsen. Das Unternehmen betreibt unter anderem die Marken 1&1, GMX und Web.de. Ohne den positiven Effekt aus dem Bereich Online-Marketing wuchs der operative Gewinn auf 71,8 Millionen Euro. Der Umsatz erhöhte sich um ein Viertel auf 361 Millionen Euro, der Überschuss stieg von 28,8 Millionen auf 45,4 Millionen Euro. Die Online-Marketing-Marken AdLINK, affilinet und Sedo hätten von der positiven Entwicklung des Online-Werbemarktes profitiert. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stieg hier der Umsatz um 22,1 Prozent auf 103,2 Millionen Euro. Das EBITDA verbesserte sich um 170,6 Prozent auf 29,5 Millionen Euro.
BenQ-Manager sollen Bonuszahlungen zurückgeben
Der Insolvenzverwalter des inzwischen weitgehend abgewickelten deutschen Handyherstellers BenQ Mobile hat eine weitere Klage gegen die taiwanesische Muttergesellschaft BenQ Corporation eingereicht. Wie Insolvenzverwalter Martin Prager am heutigen Freitag in München mitteilte, geht es bei der Klage um rund 26 Millionen Euro. Unter anderem handele es sich dabei um Bonuszahlungen, die die Muttergesellschaft leitenden Mitarbeitern von BenQ Mobile zugesagt habe, die aber von der Tochtergesellschaft selbst gezahlt worden seien. Als Insolvenzverwalter sei er verpflichtet, die Zahlungen anzuzweifeln, teilte Prager mit. Solle die BenQ Corporation nicht zahlen, wolle er die begünstigten Manager zur Rückzahlung verpflichten lassen. Von dem endgültigen Aus waren insgesamt knapp 3000 Mitarbeiter direkt betroffen; auch bei Zulieferern hatte es im Zuge der BenQ-Mobile-Pleite Entlassungen gegeben.