Newsletter vom 01.06.2007

Siemens-Chef gefunden

Nach längerer Suche hat der Aufsichtsrat von Siemens nun einen Nachfolger für den scheidenden Klaus Kleinfeld gefunden. Peter Löscher, noch President Global Human Health von Merck, soll den Vorstandsvorsitz übernehmen. Gerhard Cromme, neuer Chef des Siemens-Aufsichtsrats, lobte vor allem Löschers globale, technische und Finanzmarkt-Erfahrungen sowie die "aufrechte Persönlichkeit". Die Stimmung indes in dem von Korruptionsskandal und Führungskrise gebeutelten Konzern ist nicht rosig. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung sagte Ralf Heckmann, Chef des Gesamtbetriebsrats : "Sie Siemensianer sind frustriert, bis hin zur blanken Wut." Sie seien wütend auf "diejenigen, die Millionen verschoben haben." Die Belegschaft sei ebenfalls in Sorge, dass eine drohende Geldstrafe der Börsenaufsicht SEC von der Belegschaft ausgebadet werden müsse.

Telekom-Chef verloren

Die Korruptionsaffäre bei Siemens hat ein weiteres prominentes Opfer außerhalb des Konzerns: Telekom-Vorstand Lothar Pauly bat um Entbindung von seinen Aufgaben. Der für das Systemgeschäft, die Produktion, IT und den zentralen Einkauf zuständige Manager legte seinen Posten nieder, weil seit Wochen über seine mögliche Verstrickung in die Siemens-Korruptionsaffäre spekuliert. Pauly selbst hatte dies wiederholt zurückgewiesen. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt seit mehreren Wochen gegen Pauly, der zuvor bei Siemens die Com-Sparte verantwortet hatte.

Telekom: Der Streik geht weiter

Der Streit zwischen der Telekom und ver.di um die Auslagerung von 50.000 Arbeitsplätzen in T-Service-Gesellschaften geht weiter. Weiterhin streiken die Telekom-Beschäftigten. Am Anfang der Woche waren es 13.000, die gegen die schlechteren Bedingungen, zu denen sie in den neuen Gesellschaften angestellt werden sollen, protestierten. Ver.di-Chef Frank Bsirske hat der Telekom gedroht, notfalls dauerzustreiken. Er warf außerdem der Politik vor, zu den geplanten Telekom-Maßnahmen zu schweigen. Aber auch die Telekom hat gedroht: 50.000 Beschäftigte erhielten am Pfingstsamstag einen Brief, in dem ihnen die Ausgliederung in eine der der Service-Gesellschaften mitgeteilt wird. Wer dies nicht akzeptiere, dem werde gekündigt. Beamten wurde eine Zwangsversetzung angedroht. Auch die Drohung, die Ausgliederung auch ohne ver.di-Zustimmung durchzuführen, war im Laufe der Auseinandersetzung gefallen. Für den 30. Mai hatte ver.di alle Mitglieder zu einem Tag der Solidarität ausgerufen. Die Telekom sei nur ein Vorreiter für Auseinandersetzungen in allen anderen Branchen der deutschen Wirtschaft. Nach einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Emnid im Auftrag von N 24 stimmen 78 Prozent den Zielen der Streikenden zu, nur 14 Prozent halten den Streik für nicht gerechtfertigt.

02 will Stellen streichen

Mobilfunkbetreiber O2 will offenbar massiv Personalkosten einsparen. Ein Sparprogramm soll die Einsparung von 20 Prozent der Stellen - das entspricht etwa 1.000 Arbeitsplätzen - bringen, schreibt die Financial Times Deutschland. Auch der Netzbetrieb soll ausgelagert werden. Verhandelt werde hier mit dem Joint-Venture Nokia-Siemens.

BenQ-Mitarbeiter sollen zahlen

Für 170 ehemalige Beschäftigte hält die BenQ-Pleite noch ein unangenehmes Nachspiel parat: Sie sollen Prämien und Sonderleistungen zurückzahlen. Diese hatten sie, so der Insolvenzverwalter Martin Prager, noch zwei Tage vor der Insolvenz von der BenQ-Führung erhalten, obwohl die Zahlungen noch gar nicht fällig gewesen seien. Einige Zahlungen seien sogar im Hinblick auf die drohende Insolvenz erfolgt. Immerhin machen diese Sonderposten zusammengenommen eine Summe von 5,2 Millionen Euro aus. Prager beruft sich bei seiner Rückforderung auf eine gesetzliche Regelung, nach der kein Gläubiger übervorteilt werden darf. Nachdem einige Mitarbeiter noch kein Geld aus Abfindungen bekommen hätten, seien die Mitarbeiter, die die Prämien und Sonderleistungen erhalten hatten, im Vorteil gewesen.

Studie: Mindestlohn bringt mehr Arbeitsplätze

Die Einführung eines flächendeckenden Mindestlohns von 7,50 Euro pro Stunde bringt 450.000 neue Arbeitsplätze. Auf lange Sicht sind Beschäftigungsgewinne von 100.000 Stellen zu erwarten. Das ist das Ergebnis einer von ver.di beauftragten Studie. Da sich die Einkommenssituation der im Niedriglohnbereich Beschäftigten ändere, würden diese erfahrungsgemäß eher in Konsum investieren, so der Autor der Studie Klaus Bartsch. Das würde die Binnennachfrage beleben. Mit diesen Ergebnissen, heißt es im Resümee, sei die These widerlegt, dass ein Mindestlohn Arbeitsplätze vernichte. Ver.di-Chef Frank Bsirske hat nun an die Große Koalition appelliert, in Sachen Mindestlohn endlich zu handeln.
Mehr dazu unter:
http://presse.verdi.de/aktuelle_themen_neu/data/
mindestlohn_studie_mai_07.pdf

Gartner: Grüne IT gewinnt an Wichtigkeit

Zwei Prozent der gesamten CO²-Emmision wird vom weltweiten IT-Equipment produziert, schätzt Simon Mingay, Research Vice-President des Marktforschers Gartner. Er schätzt, dass die "grüne IT" stetig an Bedeutung gewinnen wird. Bis 2009 werden 40 Prozent der westeuropäischen Unternehmen - die hier weltweit Vorreiter sind - eine oder mehrere Umweltkriterien unter den sechs wichtigsten Anforderungen bei der Beschaffung von IT-Equipment aufnehmen. Dabei sind nicht nur Aspekte wie CO²-Ausstoß und Energiesparmaßnahmen relevant, sondern auch die Entstehung und Verschrottung nach Umweltgesichtspunkten.

Programmier-Honorare: Deutliche Unterschiede je nach Sprache

Programmierer können bis zu 30 Prozent mehr oder weniger pro Stunde kassieren - je nachdem, für welches System sie entwickeln und welche Programmiersprachen sie beherrschen. Mit einem durchschnittlichen Stundenhonorar von 80 Euro sind Entwicklungen für SAP am besten bezahlt - ebenso wie für die SAP-Programmiersprache ABAP. Das geht aus dem monatlichen Projektbarometer hervor, dass die Freelancerbörse Resoom veröffentlicht hat. Schlusslicht ist die C++-Entwicklung. Hier wird laut Erhebung nur 61 Euro pro Stunde gezahlt - das ist allerdings kaum weniger als für XML, PHP, ASP und Perl. Für diese Entwicklung wird zur Zeit von Kunden im Durchschnitt 62 Euro pro Stunde bezahlt. Am besten bezahlt wird in der Automotive-Branche (70 Euro), gefolgt von der Telekommunikationsindustrie mit 69 und dem Bereich Banking und Finance mit 68 Euro.

Studie: Deutscher Biometrie-Markt wird sich verdoppeln

Laut einer aktuellen Prognose des Branchenverbands BITKOM soll sich der deutsche Markt für Biometrie in den nächsten Jahren mehr als verdoppeln. Von rund 120 Millionen Euro im Jahr 2006 wächst der Umsatz auf voraussichtlich rund 300 Millionen Euro im Jahr 2010. So die aktuelle Prognose des BITKOM. Die wichtigste Technik bleibt die Erkennung von Fingerabdrücken. An Bedeutung gewinnt die Gesichtserkennung. Deren Anteil am Marktumsatz wird von derzeit gut einem Fünftel auf ungefähr 30 Prozent steigen. "Die deutsche Biometriebranche genießt international einen guten Ruf und ist bei der Gesichtserkennung weltweit führend", erklärt BITKOM-Vizepräsident Jörg Menno Harms. Da die Branche in Deutschland jedoch im internationalen Vergleich eher mittelständisch geprägt ist, mangele es häufig an Finanzmitteln für Forschung, Entwicklung und internationale Vermarktung. Biometrische Verfahren haben vor allem im Bankensektor und dem Einzelhandel große Chancen. Im E-Commerce kann mit solchen Verfahren die Identität von Online-Zahlungen überprüft werden. Im Bankensektor lassen sich biometrische Verfahren bei Geldautomaten, Internet- und Telefon-Banking oder dem kartenbasierten Zahlungsverkehr einsetzen. Der Markt für biometrische Techniken wird stark von politischen Entscheidungen geprägt: Der staatlichen Anteil bei der Nachfrage für das Jahr 2009 wird auf 45 Prozent des deutschen Gesamtmarktes geschätzt.



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