Newsletter vom 03.05.2007

Siemens: von Pierer und Kleinfeld gehen

Die Führungsetage bei Siemens wird neu strukturiert. Sowohl der Aufsichtsrats- als auch der Vorstandschef haben ihre Ämter niedergelegt. Mitte April hatte Heinrich von Pierer seinen Rücktritt verkündet. Künftig wird Gerhard Cromme, Ex-Vorstand von ThyssenKrupp, das Aufsichtsgremium führen. Der Rücktritt von Pierers steht im Zusammenhang mit den Korruptionsaffären, die den Elektronikkonzern beuteln. Von Pierer hatte zwar bestritten, von der Bereitstellung von Schmiergeldern an die Arbeitnehmervereinigung AUB gewusst zu haben, nach Medienberichten hatte er aber auf einer Sitzung des Aufsichtsrates 1997 bereits davon erfahren. Nach dem Rücktritt von Pierers wackelte - ebenfalls wegen Unklarheiten im Zusammenhang mit den Korruptionsaffären bei Siemens - auch der Stuhl von Vorstandschef, Klaus Kleinfeld, über dessen Vertragsverlängerung der Aufsichtsrat zu entscheiden hatte. Doch bereits vor der Sitzung des Aufsichtsrates erklärte Kleinfeld, nicht länger zur Verfügung zu stehen. Er wird mit seinen Vertrag voraussichtlich noch bis zum Auslaufen am 30. September im Unternehmen tätig bleiben.

Die Zeichen stehen auf Streik bei der Telekom

Der Streit zwischen der Telekom und ver.di um die Auslagerung von 50.000 Mitarbeitern in eine eigenständige T-Service-Gesellschaft spitzt sich zu. ver.di-Chef Frank Bsirske hat die Urabstimmung angekündigt. ver.di hatte für die letzte Verhandlungsrunde, Verhandlungen zum Tarifvertrag Auslagerungsschutz gefordert. Allerdings hatte der Konzern nur leicht veränderte Bedingungen angeboten. Weiterhin heißt es für die Angestellten: 20 Prozent weniger Lohn, schlechtere Einstiegsgehälter, längere Arbeitszeiten und keine Entgelterhöhung bis Ende 2009. Bereits seit mehreren Wochen haben Warnstreiks die verschiedenen Verhandlungen zwischen Telekom und begleitet. "Wenn dies Zehntausende tun, dann wird das seine Wirkung nicht verfehlen", sagte der Verdi-Chef auf der Landesbezirkskonferenz der Gewerkschaft in Bamberg. Die Telekom droht nun ihrerseits damit, juristische Schritte zu prüfen und den Arbeitskampf untersagen zu lassen.
Die Hauptversammlung der Telekom am 3. Mai wird von Protesten der Beschäftigten begleitet.

Motorola fertigt nicht mehr in Deutschland

Der Handy-Hersteller Motorola wird seine UMTS-Geräte nicht mehr in Deutschland fertigen, sondern in Asien. Das bedeutet für den Standort in Flensburg, dass dort 230 Arbeitsplätze der bislang 1.000 verloren gehen. Die betroffenen Arbeitnehmer sollen zunächst in einer Auffanggesellschaft angestellt werden. In Flensburg soll auch die Sparte Logistik und Tranport mit 650 Beschäftigten ausgelagert werden. Dies ist eines von zehn Logistikzentren in Westeuropa, die wegfallen sollen. Insgesamt hat der Konzern 14 solcher Zentren in Westeuropa. In Deutschland allerdings sollen die Standorte Flensburg, Berlin, München und Taunusstein beibehalten werden.

Sony baut in Europa ab

Auch Sony will abbauen. 160 der insgesamt 1.900 Stellen der europäischen Sony Computer Entertainment werden dem Rotstift zum Opfer fallen. Der Schritt wird begründet damit, dass Sony mit seiner Spielekonsole Playstation 3 gegenüber der Konkurrenz Wii von Nintendo und Xbox 360 von Microsoft an Marktanteilen verloren habe.

Umsatz der Interaktiv-Dienstleister erreicht neues Rekordhoch

Das Interaktiv-Geschäft in Deutschland, Österreich und der Schweiz brummt. Das geht aus einer ersten Analyse der aktuellen Firmenprofile im iBusiness Jahrbuch 2007/2008 hervor. Demnach ist erstmal seit sechs Jahren die Zahl der deutschsprachigen Interaktiv-Dienstleister wieder richtig deutlich gestiegen. Rund 3.300 Dienstleister sind nach der aktuellen Auswertung in der Multimedia-Branche tätig. Das entspricht gegenüber der Vorjahresauswertung (Zahl: 3.000 Dienstleister) einem Zuwachs von rund zehn Prozent. Die Jahre zuvor ist die Zahl der Dienstleister immer nur geringfügig gestiegen.
Auch der Dienstleistungsumsatz der Interaktiven ist im Vergleich zum Vorjahr deutlich nach oben geschnellt: Über neun Milliarden Euro haben die Interaktiven im vergangenen Jahr erwirtschaftet. Das ist nach 2002 das beste Ergebnis seit Start der jährlichen iBusiness-Auswertungen im Jahr 1991.

Vorratsdatenspeicherung beschlossen

Der Gesetzentwurf von Bundesjustizminiterin Brigitte Zypries zur Vorratsdatenspeicherung ist im Bundeskabinett abgesegnet worden. Nach Informationen der "Berliner Zeitung" sollen dem Gesetzesentwurf zufolge Internet-Provider schon zum 1. Januar 2008 in die Pflicht genommen werden und die Verbindungsdaten ihrer Kunden sechs Monate lang speichern. Bislang war geplant, dass Mobilfunkanbieter und Internet-Provider erst ab 2009 diesen Vorgaben genügen müssen. Das Gesetz ist äußerst umstritten. Der Internet-Verband eco sagte, das Gesetz werde "von der Wirtschaft abgelehnt", auch der Branchenverband Bitkom hat den Entwurf "als nicht durchdacht" angeprangert. Den Verbänden geht es aber vor allem auch um die Kosten, die bei den Dienstleistern entstehen. Viele weitere Verbände kritisieren vor allem, dass durch den Zugriff von Ermittlungsbehörden auf die Daten rechtsstaatliche Prinzipien und das Recht auf Privatsphäre bedroht werden.
Informationen der Gegner sind zu finden unter:
www.vorratsdatenspeicherung.de

Markenstudie: Google führt vor IBM, Microsoft und Coca-Cola

Einer aktuellen Markenstudie zufolge verfügt der erst 1998 gegründete Suchmaschinen-Quasimonopolist Google über die "mächtigste Marke der Welt". Sie ist rund 66,434 Millionen US-Dollar wert. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Marken-Index Brandz des Londoner Marktforschungsinstituts Millward Brown und das Wirtschaftsmagazin Financial Times. Demnach hat Google bereits einen höheren Markenwert als Microsoft (Wert: 54,951 Millionen US-Dollar) oder Coca Cola (Wert: 44 Millionen US-Dollar).
Google konnte im Vergleich zur vergangenen Bewertung im Jahr 2006 seinen Markenwert um 77 Prozent steigern: Solch eine Wertsteigerung konnte sonst keine der Top-40-Marken verbuchen. Starke Marken wie IBM oder Microsoft haben dagegen im Jahresvergleich an Markenwert verloren.

Studie sieht große Lücken bei der ITK-Sicherheit in deutschen Unternehmen

Punktlösungen statt einheitlicher Konzepte: Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie zum Zustand der ITK-Security in deutschen Unternehmen. Noch fehlt vielerorts in deutschen Unternehmen ein übergreifendes ITK-Sicherheitskonzept, das die Bereiche Technologie, Organisation und Mitarbeiter ganzheitlich betrachtet. Dies sind einige der zentralen Ergebnisse der Studie "ITK-Sicherheit auf dem Prüfstand - Ganzheitliche Konzepte und ihre Umsetzung in deutschen Unternehmen". Berlecon Research befragte dazu mehr als 100 CIOs und ITK-Leiter in Unternehmen mit mindestens 500 Beschäftigten. Weitere Findings: Einheitliche und umfassende Security-Richtlinien haben erst 54 Prozent der Befragten vollständig umgesetzt, Compliance-Vorschriften lediglich 43 Prozent. Regelmäßige Sicherheitsschulungen - eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine wirksame ITK-Security - führen lediglich 43 Prozent durch. Auch haben erst 57 Prozent Maßnahmen ergriffen, die ein reibungsloses Zusammenspiel der im Einsatz befindlichen technischen Sicherheitskomponenten ermöglichen. Gefragt wurde schließlich auch nach der Entwicklung der Sicherheitsbudgets. Fast die Hälfte aller Unternehmen (47 Prozent) plant, 2008 mehr Geld für ITK-Security auszugeben. Auffallend ist, dass 53 Prozent der kleineren Unternehmen (der Studie zufolge solche mit 500 bis 999 Mitarbeitern) ihr Budget erhöhen wollen. Bei Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern sind es lediglich 39 Prozent.

Intershop löst Standorte auf und kündigt Mitarbeiter

Softwarehersteller Intershop will die Direktionsbereiche bei seinem Vertrieb im Unternehmenssitz Jena von sechs auf drei Bereiche reduzieren und damit "Personalkosten im Managementbereich reduzieren". Der Bereichsabbau ist Teil eines "umfangreichen Restrukturierungsprogramms", welches das Unternehmen jetzt angekündigt hat.
Im Rahmen dieses Programms werden auch die Vertriebsstandorte in Frankreich, Italien und Österreich aufgelöst. An den drei Vertriebsstandorten arbeiten derzeit zusammen rund zehn Mitarbeiter, die wohl mit ziemlicher Sicherheit allesamt gekündigt werden.
Dabei wird es aber nicht bleiben: Intershop will die Personalkosten in den Bereichen Vertrieb und Marketing "erheblich" reduzieren und weitere Mitarbeiter kündigen. Mit seinem Restrukturierungsprogramm will Intershop rund 4,5 Millionen Euro pro Jahr einsparen. Das Unternehmen erwartet, dass sich die Einsparmaßnahmen schon ab dem dritten Quartal 2007 positiv auf die Bilanz auswirken werden.



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Mathias B., Rostock
„Gerade in der jetzigen Zeit, die geprägt ist von regelmäßigen Umstrukturierungen, ist es wichtig, die Stärke der Kolleginnen und Kollegen zu bündeln. Denn nur gemeinsam kann man etwas bewirken. Deshalb bin ich ver.di-Mitglied."