Newsletter vom 01.01.2007

Deutschlands IT-Industrie bekommt 1,2 Milliarden Staatsgeld

Die Informations- und Kommunikationstechnologie-Branche wird von der Bundesregierung in den kommenden drei Jahren mit 1,2 Milliarden Euro gefördert. Die Mittel, die beim IT-Gipfel in Potsdam beschlossen worden sind, sind Teil der rund 15 Milliarden Euro, die im Rahmen der Hightech-Strategie der Bundesregierung bis zum Jahr 2009 bereitgestellt werden sollen. Geplant sind zum Beispiel eine Qualitätsoffensive bei Call Centern mit Hilfe eines Gütesiegels und Vorgaben für IT-Aufgaben in der Bundesverwaltung. Ein zentrales Thema ist der Fachkräftemangel, gegen den ebenfalls konkrete Schritte ergriffen werden sollen. Ebenfalls subventioniert werden soll die Verbreitung von Schnüffelchips sowie eine alternative Suchmaschine, die Google Konkurrenz machen soll. Das ist allerdings nicht die mit großem Bohei gestartete französische Entwicklung Quaero. Hartmut Schauerte, parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, kündigte auf der Veranstaltung an, dass Quaero ohne Ergebnis eingestellt worden sei. Stattdessen soll der vollmundig angekündigte Google-Konkurrent nun als "Theseus" von den deutschen Konsortialpartnern allein zur Marktreife gebracht werden - als eines der auf dem Gipfel beschlossenen "Leuchtturm-Projekte" (80 Millionen Euro Subvention).
Gewerkschaften als Vertreter der Beschäftigten der Branche, die ja die eigentliche Arbeit erledigen, fehlten auf dem IT-Gipfel übrigens.
Zum Bericht der Bundesregierung:
http://www.bundesregierung.de/nn_774/Content/DE/Artikel/
2006/12/2006-12-18-erster-deutscher-it-gipfel.html

Wegen Web 2.0: Time Magazin kürt alle Internetnutzer zur "Person des Jahres"

Kollektiv statt Individuum: In diesem Jahr hat das US-amerikanische Time Magazin überraschend keinen einzelnen Menschen zur 'Person des Jahres' gekürt. Sondern kategorisch die breite Masse aller weltweiten Internetnutzer. Die laut dem Time Magazin "eine neue digitale Demokratie im revolutionären Web 2.0 entwickelt" haben. Eine Referenz an den globalen Web-2.0-Boom: "Das Internet hat sich zu einer interessanten Plattform entwickelt", erklären die Time-Macher, "auf der Millionen Menschen kleine Beiträge liefern, die sich zu einem großartigen Ganzen entwickeln." Vor allem der Gedanke, dass Internetnutzer anderen Onliner in Communities oder Wikis umsonst ihre Hilfe anbieten, ist nach Meinung des Time Magazins "revolutionär". Als Dank dafür, "eine neue digitale Demokratie entwickelt zu haben", versteht sich laut dem Time Magazin daher die kategorische Auszeichnung aller Internetnutzer als "wichtigste Person des Jahres".

CeBIT und Systems: Mit weniger Messe aus der Krise

Die deutschen Computermessen Systems und CeBIT stecken in der Krise. Beide haben seit Jahren mit schwindenden Aussteller- und Besucherzahlen zu kämpfen. Nun ziehen sie ihre Konsequenzen und strukturieren um. Die Münchner Computermesse Systems wird 2007 nur noch vier Tage, statt bisher fünf Tagen, dauern. Sie wird vom 23.10. bis 26.10.2007 stattfinden. Darüber hinaus wird die System nur noch fünf Hallen umfassen. Laut den Messeveranstaltern basiere die bisherige Hallenstruktur auf den Jahren, in denen die durchschnittliche Standfläche pro Aussteller deutlich größer war als heute. Eine Umstrukturierung bahnt sich auch bei der Computermesse CeBIT an. In einem Brief an die Aussteller spricht die Deutsche Messe AG in Hannover von "aktuellem Handlungsbedarf". Weil vor allem Marktführer wie Nokia, BenQ, LG, Konica Minolta und Motorola 2007 nicht nach Hannover kommen, droht der CeBIT nach Medieninformationen bei Umsatz und Netto-Ausstellungsfläche ein Einbruch von bis 15 Prozent. Daher arbeiten die CeBIT-Macher an einer grundsätzlichen Neupositionierung der Messe von 2008 an. Für die Unternehmen soll die Effektivität der Messebeteiligung deutlich erhöht werden. Zudem soll das Profil der Messe als "Profimesse" gestärkt und damit stärker von der Internationalen Funkausstellung abgegrenzt werden. Wie aus Branchenkreisen verlautete, zählt zu dem Umbau der CeBIT, dass die Dauer der Messe ab 2008 auf sechs Tage verkürzt werden soll. Ein Sprecher der Messe dementiert die Spekulation: "Bisher ist noch alles offen. Es existieren bisher nur reine Denkmodelle." Am 23.Januar 2007 wird die CeBIT eine Pressekonferenz geben, die einen ausführlichen Ausblick auf die CeBIT 2008 zum Thema hat.

BITKOM-Studie: Biometrie, DRM, Internetfernsehen sind unterschätzte Zukunftstechnologien

Pünktlich zum IT-Gipfel hat der Branchenverband BITKOM eine Studie herausgebracht, in der die Zukunftsfelder der IT beleuchtet werden. Gemeinsam mit Roland Berger hat der Verband sechs neue Schlüsseltechnologien identifiziert: Eingebettete Systeme, Biometrie, Internet- und Handy-Fernsehen, IT Utility Services, Service-orientierte Software-Architekturen und Digitales Rechte-Management. Diese Technologien seien "Hidden Champions", also Techniken, die bislang noch unterbewertet würden. Insgesamt haben die Autoren der Studie "Zukunft digitale Wirtschaft" 27 Technologien mit hohem Zukunftspotenzial ausgemacht, darunter auch RFID-Chips, Breitband und Verkehrstelematik.
Hier geht es zur Studie:
http://www.bitkom.org/de/presse/8477_43092.aspx

AOL will entlassen, weiß aber nicht wie viele

130 bis 140 Mitarbeiter von insgesamt verbleibenden 250 der deutschen Konzernzentrale von AOL müssen um ihren Arbeitsplatz bangen. Wie die "Wirtschaftswoche" berichtet, ist das die Konsequenz aus dem Geschäft mit Hansenet. Die Telecom-Italia-Tochter hat für 675 Millionen Euro das Internetzugangsgeschäft von AOL Deutschland gekauft und übernimmt 1.250 der bisherigen 1.500 Mitarbeiter. AOL soll nach einer Neuausrichtung in Deutschland nur noch als Portal und Anbieter von Online-Services auftreten. Dafür würden aber keine 250 Mitarbeiter benötigt, zitiert das Blatt hohe Manager.
Die angebliche Massen-Entlassung seien "reine Spekulation", erklärte indes ein AOL-Sprecher gegenüber iBusiness. Das Portal-Geschäft werde neu strukturiert. Dabei würden "alle Optionen geprüft". Dass es in jedem Fall zu Entlassungen bestätigte der Sprecher indirekt: "Wieviele Stellen abgebaut werden, lässt sich derzeit noch nicht sagen."

Nokia und Siemens warten ab

Wegen der Querelen um die Schmiergeldzahlungen des Elektronikkonzerns Siemens wird das geplante Joint Venture mit Nokia verschoben. Ursprünglich hatten die beiden Konzerne Anfang 2007 ihre gemeinsamen Geschäfte unter Nokia Siemens Networks aufnehmen wollen. Beide sind zu 50 Prozent an dem Unternehmen beteiligt, in dem sie ihre Netzwerksparten einbringen. Nach früheren Schätzungen sollen 15 Prozent der 60.000 von der Fusion betroffenen Mitarbeiter ihren Job wegen "Synergieeffekte" verlieren. Nun will Nokia erst einmal die Ergebnisse und Konsequenzen aus der Korruptionsaffäre abwarten und sogar - soweit möglich - selbst bei der Aufklärung mitwirken. Es wird spekuliert, ob sich die Finnen so gegen mögliche später entdeckte Korruptionsvorwürfe abgrenzen wollen. Die Schmiergeldaffäre zieht mittlerweile immer weitere Kreise: Der inhaftierte Ex-Zentralvorstand Thomas Ganswindt hat nach Medienberichten eine Mitwisserschaft eingeräumt. Heinz-Joachim Neubürger, der Anfang des Jahres als Finanzvorstand aus persönlichen Gründen gegangen war, hat eine Mitwissenschaft indes abgestritten. Der Vorstand sei "hinter's Licht geführt" worden, sagte er der "Süddeutschen Zeitung".

ver.di und T-Systems einigen sich

Die Betriebsräte und ver.di haben bei der Telekomtochter T-Systems Business Services (TS BS) erreicht, dass das Unternehmen eine Schutzregelung akzeptiert hat, nach der betriebsbedingte Beendigungskündigungen ausgeschlossen werden. Da vom Arbeitgeber 1.600 Stellen abgebaut werden sollen, "ist dies eine nicht hoch genug einzuschätzende Schutzregelung," sagt ver.di. Allerdings mussten auch Zugeständnisse gemacht werden: Im Gegenzug wird ab 1. Januar 2007 bei der TS BS die regelmäßige Wochenarbeitszeit um vier Stunden abgesenkt.

SBS-Mitarbeiter müssen verzichten

Die Mitarbeiter der Siemens Business Services müssen sich auf Einschnitte gefasst machen. Geplant sind eine längere Wochenarbeitszeit sowie dass das Urlaubsgeld und das anteilige dreizehnte Monatsgehalt in eine erfolgsabhängige Gewinnbeteiligung umgewandelt werden. Wer übertariflich verdient, muss mit einer Anpassung seines variablen Gehalts rechnen. So sollen für die rund 9.000 Beschäftigten die Personalkosten um 100 Millionen Euro pro Jahr herunter geschraubt werden. Dafür soll es vorerst zu keinen betriebsbedingten Kündigungen kommen.
SBS wird ab Anfang des kommenden Jahres in der Siemens IT Solutions and Services aufgehen.

Bundesrat billigt umstrittenes Telekom-Gesetz

Auch der Bundesrat hat jetzt Neufassung des Telekom-Gesetzes zugestimmt, mit dem die Telekom eine Vorrangstellung für ihr Glasfasernetz eingeräumt bekommt. Demnach wird das Netz eine gewisse Zeit von der Regulierung durch die Bundesnetzagentur ausgenommen. Nicht nur deutsche Branchenverbände haben Kritik an dem Gesetz geäußert, sondern auch die EU-Kommission, die mit einem Vertragsverletzungsverfahren gedroht hat.

Herkules-Projekt: Modernisierung der IT-Infrastruktur der Bundeswehr geht an IBM und Siemens

Hinter dem Herkules-Projekt steckt mit mehr als sieben Milliarden Euro eines der größten Auftragsvolumen zwischen Staat und Privatwirtschaft europaweit. Gegenstand des am 28.12.2006 geschlossenen Vertrages ist die umfassende Modernisierung und der Betrieb der administrativen Informationstechnik und Kommunikationsnetze der Bundeswehr im Inland. Dazu gehören unter anderem mehr als 140.000 Computerarbeitsplätze, 300.000 Telefone und die Rechenzentren der Bundeswehr sowie moderne IT-Serviceleistungen.
Für HERKULES wird die Bundesrepublik zusammen mit SBS und IBM die "BWI Informationstechnik GmbH" gründen. An dieser Gesellschaft ist der Bund als Minderheitsgesellschafter zu 49,9 Prozent und das Auftragnehmerkonsortium zu 50,1 Prozent beteiligt.
Für die gegenwärtig skandalgeplagten Siemensianer ist es der bisher größte Auftrag für das Unternehmen und seine Unternehmenssparte Siemens Business Services.



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Norbert S., Paderborn
„Gerade in der IT-Branche müssen wir unsere ganze Kraft daran setzen, zukunftsfähige Geschäftsideen zu generieren, aber auch sie mit sozialer Verantwortung in Einklang zu bringen. Darum bin ich ver.di-Mitglied".