Newsletter vom 16.3.2006

IT und Telekommunikation: Umsätze wachsen, Stellen nicht

Auch wenn sich die ITK-Unternehmen über Umsatzsteigerungen freuen dürfen, ein Mehr an Arbeitsplätzen bedeutet das nicht. Im Jahr 2006 werden die Umsätze im Bereich Informationstechnik und Telekommunikation um 2,4 Prozent höher ausfallen als 2005. Das erwartet der Branchenverband Bitkom. Auf 137,4 Milliarden Euro sollen die Umsätze steigen, im Jahr darauf rechnet Bitkom-Chef Willi Berchthold, der diese Zahlen zur CebIT in Hannover vorstellte, immer noch mit einem Plus von zwei Prozent. Trotzdem wirkt sich der Trend nicht positiv am Arbeitsmarkt aus: Im Jahr 2005 habe die IT-Wirtschaft ihr Versprechen, 10.000 neue Stellen einzurichten, nicht halten können. Erreicht wurde lediglich ein Zuwachs um 4.000 Stellen. Auch für 2006 sieht Berchthold keine Besserung: „Es wird sich kein Arbeitsplatzaufbau in diesem Jahr einstellen.“
Mehr dazu unter: http://www.bitkom.org/Default_38435.aspx

VDI-Umfrage: Studentenmangel gefährdet IT-Standort Deutschland

Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) schlägt warnende Töne an. Er sieht ein Alarmzeichen darin, dass immer weniger Abiturienten technische Disziplinen studieren wollen. In einer Umfrage hat der Verein ermittelt: Die seit zwei Jahren rückläufigen Studentenzahlen und der daraus resultierende Absolventenschwund könnten eine ernste Gefahr für den IT-Standort Deutschland bedeuten. Das jedenfalls befürchtet die Mehrheit der vom VDI befragten 1.600 Fach- und Führungskräfte der Branche. Als IT-Länder der Zukunft sahen die Befragten Indien (30 Prozent der Stimmen), China (26 Prozent), USA (20 Prozent) weit vor Deutschland, das mit zehn Prozent den vierten Platz im Ranking belegte.
Mehr zu der Studie unter: http://www.vdi.de/vdi/index.php?cms_id=389

SAP-Betriebsrat: Management will einlenken

Bei SAP wird weiter um einen Betriebsrat gestritten. Nachdem drei Mitarbeiter vor dem Mannheimer Arbeitsgericht Klage eingereicht hatten zur Einsetzung eines Wahlvorstandes, will nun offenbar das Unternehmen selbst einlenken und die Mitarbeiter einen Wahlvorstand einrichten lassen. Die Mitarbeiter waren vor Gericht gezogen, weil sie bei einer Betriebsversammlung nur neun Prozent der rund 5.600 anwesenden Mitarbeiter für den Betriebsrat gewinnen konnten. Um einen Wahlvorstand einzusetzen, ist aber eine einfache Mehrheit der Stimmen erforderlich. Wenn eine solche Wahl scheitert, können Beschäftigte nach Paragraph 17, Absatz 4 des Betriebsverfassungsgesetzes die Einrichtung eines Wahlvorstands gerichtlich erzwingen.
Allerdings soll es ein genehmer Wahlvorstand sein: "Es ist uns wichtig, im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben die Zusammenarbeit in unserem Unternehmen so zu gestalten, dass die vorhandenen Freiräume bestmöglich genutzt werden", erklärte Claus Heinrich, Vorstandsmitglied und Arbeitsdirektor. Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat sollen die Betriebsratswahl organisieren: "Wenn es einen Betriebsrat bei SAP geben muss, dann einen Betriebsrat aus unserer Mitte, der sich unserer besonderen Firmenkultur und unseren Werten verpflichtet fühlt", sagte Henning Kagermann, Vorstandssprecher der SAP.
Bislang hatte sich die SAP-Führungsriege gegen den Betriebsrat zu Wehr gesetzt. Im Vorfeld der Betriebsversammlung hatte der Firmengründer und langjährige Aufsichtsratschef Dietmar Hopp sogar den Standort Walldorf für die Konzernzentrale zur Disposition gestellt, sollte der Betriebsrat durchgesetzt werden.

Verdi ermahnt Telekom

Die Deutsche Telekom soll angesichts ihrer steigenden Gewinne und Dividenden auf ihren groß angelegten Arbeitsplatzabbau verzichten, fordert Verdi von dem Telekommunikationsriesen. „Der geplante Abbau von 32.000 Stellen ist angesichts der Verdreifachung des Gewinns und einer um zehn Cent höheren Dividende ein Skandal", sagte Verdi-Vizechef Franz Treml. Die Telekom hatte in ihrer Bilanz Anfang März bekannt gegeben ein Überschuss von fast sechs Milliarden Euro erreicht zu haben und die Dividende um 16 Prozent von 62 auf 72 Cent zu erhöhen. „Wenn nur ein Viertel des Sechs-Milliarden-Gewinns für die Arbeitnehmer aufgewendet würde, müsste die Telekom 30.000 Menschen mehr beschäftigen anstatt 32.000 weniger,“ so Treml. Die Telekom gibt sich von dem Appell allerdings ungerührt. Vorstandsvorsitzender Kai-Uwe Ricke bekräftigte, die Einschnitte seien wegen der technologischen Entwicklung unvermeidlich Zudem werde der Wettbewerbsdruck durch die Regulierung des Telekommunikationsmarktes verschärft. Für die anstehende Tarifrunde 2006 bei der Festnetzsparte T-Com fordert die Gewerkschaft angesichts der Lohnzurückhaltung im vergangenen Jahr und angesichts der Dividendenerhöhung nun ein Plus von sechs Prozent.

Das Verdi-Statement: http://www.verdi-tk-it.de/contents/fachinformationen/
pdf_dateien/Beschaeftigteninfo%20_Nr_35.pdf

Breitband-Internet soll Arbeitsplätze schaffen

Würde Deutschland flächendeckend mit Breitband-Anschlüssen versorgt werden, könnten bis zum Jahr 2010 bis zu 265.000 Arbeitsplätze geschaffen werden. Das besagt eine Studie, die der Branchenverband Bitkom gemeinsam mit dem Bundeswirtschaftsministerium und der Initiative D21 auf der CeBIT vorgestellt hat. Um 46 Milliarden Euro höher könnte dann das gesamtwirtschaftliche Wachstum ausfallen. Damit gerät die Breitbandversorgung ein weiteres Mal ins Visier der Politik. Bereits zur Eröffnung der CeBIT hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel ein Regierungsprogramm für die Informationsgesellschaft angekündigt, dessen Schwerpunkt der Ausbau der digitalen Infrastruktur sei. Sie stellte einen IT-Gipfel noch für dieses Jahr in Aussicht. Dieser solle die Innovationskraft in Deutschland stärken. Ein Fördertopf von sechs Milliarden Euro soll für Zukunftstechnologien zur Verfügung gestellt werden. Die Maßnahmen unter dem Schlagwort „Hightech Strategie Deutschland“ will die Bundesregierung im Sommer öffentlich vorstellen. Merkel appellierte auch an die Unternehmen, ihr Engagement auszubauen. Denn bereits jetzt würde die Wirtschaft die Ausgaben für Entwicklung und Forschung zu zwei Dritteln selbst tragen.


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Katharina, H., Erfurt
„Ich bin Betriebsrätin in einem Unternehmen der IT-Branche. Das ist eine verantwortungsvolle Aufgabe in Zeiten der Globalisierung. Gerade jetzt ist es existenziell wichtig, dass wir Arbeitnehmer eine starke Gemeinschaft bilden. Meine starke Gemeinschaft ist ver.di."